Frankfurts eishockey-löwen: saison ohne saft, zukunft ohne geld – trotzdem droht kein zweikampf mit der realität

53 Punkte, Platz 13, null Play-off-Traum – die Löwen Frankfurt beenden die DEL-Saison wie ein Auto, das mit Knarzen und Qualmen gerade noch die Zielflagge überquert. Geschäftsführer Stefan Krämer spricht offen vom „Liefern müssen“, meint aber: Wir liefern seit Monaten nur noch Rettungswesten statt Torlaune.

Statt titel: tumult – der olkinuora-zwist zog einen scherbenhaufen durch den sommer

Bevor überhaupt das erste Bully fiel, rutschte die Planung auf dünnem Eis. Neu verpflichteter Torwart Jussi Olkinuora fiel beim Medizincheck durch – die Löwen wollten den Vertrag kündigen, der Finne zog vor das Arbeitsgericht. Die Ablöse schlug finanzielle Wellen, intern kursierte laut Krämer die Rechnung von „sechsstellig“. Statt Saisonvorbereitung lieferten die Verantwortlichen Dokumente an Anwälte. Die Mannschaft starte mit Gas, aber ohne Handbremse – und rutschte prompt auf den letzten Tabellenplätzen ab.

November: Coach Tom Rowe muss gehen, Tom Pokel übernimmt. Pokels Handschrift? Laut Krämer erkennbar, aber „extrem viel Nachholbedarf“. Übersetzt: Die Defensive wirkte wie ein Schweizer Käse, den jemand vergessen hat in den Kühlschrank zu stellen. Pokel selbst fordert „schnelles, aggressives Eishockey“, um München, Berlin oder Mannheim zu ärgern. Die Realität: Mit 53 Punkten ärgert man nur die eigene Anhängerschaft.

Beleidigungen statt beifall – die social-media-hölle frisst familien mit

Beleidigungen statt beifall – die social-media-hölle frisst familien mit

Krämer packt aus: „Bis auf Morddrohungen war alles dabei.“ Seine Töchter wurden auf der Straße beschimpft, seine Frau angepöbelt. Die digitale Lynchjustiz verschickt Nachrichten wie „Krämer, verpiss dich, du Sau“. Der Geschäftsführer klingt, als hätte er jeden Abstimmungs-Thread auf Telegram gelesen und dabei mehr Blut geschwitzt als sein Team auf dem Eis. Die Botschaft: Sponsoren flüchten nicht nur wegen schlechter Quoten, sondern auch, weil sie nicht mit Hate-Kampagnen assoziiert werden wollen.

Die Löwen schwimmen nicht im Geld, sie paddeln in der Rettungsweste. Die Eissporthalle Bornheim ist Kult, aber ein Fass ohne Zapfhahn: keine VIP-Logen, keine 8.000-Sitz-Lounge, kein Catering-Umsatz wie in der SAP Arena. Krämers Hoffnung: 2030 zieht die neue Multifunktionsarena auf dem Gelände der Deutschen Bank Park ein – dann soll Frankfurt mit den Big Spendern ums Sponsoren-Kopf-an-Kopf reiten. Bis dahin heißt es „überbrücken“ – sprich: Gehaltserhöhungen nur gegen Leistung, keine Import-Stars für Millionen.

2030 Ist kein wunschjahr, sondern ein kreditmodell

2030 Ist kein wunschjahr, sondern ein kreditmodell

Die Arena verspricht Mehreinnahmen von achtstelliger Höhe, doch vier Jahre sind eine halbe Ewigkeit im Eishockey. Pokels Vertrag läuft bis 2027 – ein klares Bekenntnis, aber kein Garant für den Klassenerhalt. Die Konkurrenz schläft nicht: München baut mit Red-Bull-Geld ein Nachwuchs-Konzept, Berlin erneuert seine Infrastruktur, Mannheim druckt mit SAP-Millionen neue Trikots. Frankfurt druckt dagegen Spielpläne – und hofft, dass sich die jungen Talente aus dem eigenen Nachwuchs bis 2026 etablieren.

Die Saison endete mit einem 3:4 gegen Nürnberg, das klang wie ein Abgesang auf ein Jahr, in dem die Löwen mehr schleuderten als bissen. Pokel: „Wenn man bei dem Tempo nicht mithalten kann, wird man es schwer haben.“ Die Wahrheit: Frankfurt hat nicht nur Tempo verpasst, sondern auch Glauben. Der Abstieg ist abgewendet, die Tragödie bleibt: ein Club, der sich selbst als Dauerkandidaten für den Pre-Play-off-Platz sieht, aber real in jedem April um die Lizenz zittert.

Der Countdown läuft: 1.500 Tage bis zur neuen Arena. Die Löwen müssen bis dahin nicht nur schneller skaten, sondern auch ihre Finanzkennzahlen auf Eis legen. Keine Heldenreise, eher ein Marathon mit Schlittschuhen. Die Message ist klar: Wer sich nur rettet, gewinnt nie – aber wer nicht rettet, ist bald weg vom Fenster der DEL. Frankfurt steht am Rande des Eisfeldes und weiß: Die nächste Saison beginnt nicht mit einem Bully, sondern mit einer Frage – haben wir genug Kraft, um uns selbst aus dem Eis zu ziehen?