Fis-präsident eliasch kämpft um sein amt – droht der abgesang des skisports?
Belgrad – Der Name Johan Eliasch steht derzeit im Zentrum eines der größten Skandale der jüngeren Ski-Geschichte. Der schwedisch-britische Funktionär, der seit 2021 die FIS leitet, strebt bei der heutigen Wahl in Belgrad eine Wiederwahl an – und das, obwohl er mit einem ganzen Arsenal an Vorwürfen konfrontiert wird. Eine Abspaltung großer Skinationen vom Weltverband liegt plötzlich im Raum.
Finanzielle ruine und mangelnde vertretung
Die Kritik an Eliasch ist vielfältig. Neben der massiven Reduzierung der FIS-Vermögenswerte von 130 auf lediglich 43 Millionen Franken – eine Zahl, die Athletensprecher AJ Ginnis ermittelt hat – wird ihm eine mangelnde Vertretung der verschiedenen Disziplinen und eine insgesamt unprofessionelle Außendarstellung vorgeworfen. Der Rücktritt des langjährigen FIS-Geschäftsführers Urs Lehmann, ein ehemaliger Abfahrtsweltmeister, deutet auf eine tiefe Krise im Inneren des Verbands hin. Lehmanns Abschiedsworte waren ein deutliches Signal: Ein finanzieller Kurswechsel ist dringend erforderlich.
„Vieles, was die aktuelle FIS-Führung versprochen hat, wird nicht umgesetzt“, so die Alpine Superstar Mikaela Shiffrin, deren Stimme im Skisport Gewicht hat. Sie fordert Transparenz und Ehrlichkeit, um die Leistungen der Athleten angemessen zu würdigen.

Die georgische lösung: ein fragwürdiger schachzug
Eliaschs überraschende Annahme der georgischen Staatsbürgerschaft, um sich dort für die Wiederwahl nominieren zu lassen, wirft weitere Fragen auf. Ein Mann ohne erkennbare Verbindung zu Georgien wird zum Hoffnungsträger des georgischen Verbands – ein Schachzug, der viele Beobachter irritiert. Die Briten, einst seine Unterstützer, schicken nun Victoria Gosling ins Rennen, ebenso wie mächtige Verbände aus Schweden, Österreich, den USA und Deutschland.

Die drohung der abspaltung: ein worst-case-szenario
Sollte Eliasch tatsächlich gegen alle Widerstände im Amt bleiben, droht dem Skisport eine dramatische Zäsur. Diego Züger, Geschäftsführer des Schweizer Verbandes, warnt vor einem „Kollision mit 180 km/h gegen eine Wand“. Die großen Ski-Nationen könnten sich vom Weltverband abwenden und Top-Veranstaltungen wie Wengen oder Kitzbühel eigenverantwortlich organisieren. Ein Szenario, das Eliasch kaum würde ersetzen können – zumindest nicht in seinem neuen Heimatland Georgien.
Die Entscheidung in Belgrad ist mehr als nur eine Wahl des FIS-Präsidenten. Sie ist ein Test für die Zukunft des Skisports und seine Fähigkeit, sich von internen Machtkämpfen und finanziellen Misswirtschaft zu erholen. Die kommenden Tage werden zeigen, ob der Skisport einen Neuanfang wagen oder in einer Spirale aus Krisen und Kontroversen weiter abgleiten wird.
