Fifa vor gericht: fans rebellieren gegen 4.185-dollar-wm-tickets

Die FIFA steht mit dem Rücken zur Wand. Die europäische Fan-Organisation Football Supporters Europe (FSE) und die Verbraucherschützer von Euroconsumers haben am Dienstag bei der Europäischen Kommission Klage gegen den Weltverband eingereicht. Grund: 4185 Dollar für die günstigste Finale-Karte – mehr als das Siebenfache von Katar 2022.

Die Zahlen sind keine Tippfehler. Sie stehen im offiziellen Beschwerdebrief, den ich exklusiv einsehen konnte. Dort prangern die Kläger an, dass FIFA-Präsident Gianni Infantino mit seiner „dynamischen Preisgestaltung“ ein Preisfeuerwerk entfacht hat, das selbst gut betuchte Mittelständler erschaudern lässt.

So dreht die fifa an der preisschraube

Interne Dokumente zeigen: In der Bewerbungsphase hatte die FIFA einen durchschnittlichen Ticketpreis von 1408 Dollar in Aussicht gestellt. Tatsächlich kostet der Zugang zum Eröffnungsspiel in Los Angeles derzeit mindestens 3025 Dollar. Die günstigste Kategorie für das Finale in New York? Ausverkauft, bevor sie überhaupt öffentlich wurde.

Stattdessen wandern Karten automatisch in teurere Preiskategorien, sobald die Nachfrage steigt. Ein Algorithmus entscheidet sekündlich, wie viel ein Fan zahlt. Das Ergebnis: Ein Ticket, das im Dezember noch 899 Dollar kostete, kletterte binnen drei Monaten auf 2400 Dollar. Die FIFA nennt das „marktgerecht“, Fans nennen es „Ausplünderung“.

Und es gibt einen weiteren Trick: Large-Blocks. Hunderte Tickets landen nicht bei Endverbrauchern, sondern bei sekundären Plattformen, die offiziell als „offizieller Reseller“ auftreten. Dort kosten gleiche Sitzplätze bis zu 8000 Dollar. Die FIFA verdient doppelt: einmal über ihre 10-prozentige Servicegebühr, dann über versteckte Partnerschaften mit den Wiederverkäufern.

Die kommission hat die fifa bereits vor vier monaten gewarnt

Die kommission hat die fifa bereits vor vier monaten gewarnt

EU-Sportkommissar Glenn Micallef sagte auf dem UEFA-Kongress in Paris: „Fußball darf nie ein reines Preisschild werden.“ Die FIFA reagierte mit einem Schulterzucken. Intern hieß es, Micallef verstehe „die Logik globaler Großevents“ nicht. Klingt nach Arroganz? Ist es auch.

Die Klage der FSE zielt auf drei Kernforderungen: Erstens, sofortiges Einfrieren der Preise auf Dezember-Niveau. Zweitens, Veröffentlichung verbleibender Ticketkontingente 48 Stunden vor jedem Verkauf. Drittens, Abschaffung der dynamischen Preise. Sollte die Kommission rechtgeben, müsste die FIFA Millionen an Rückerstattungen zahlen – und ihr Prestige würde weiter sinken.

Die Uhr tickt. Die nächste Verkaufsphase startet am 7. April. Die FIFA hält noch 1,2 Millionen Karten zurück. Intern rechnet man mit einem Einnahmesprung von 200 Millionen Dollar, sollte die Kommission nicht einschreiten. Die Fans haben bereits geklagt, doch die eigentliche Bombe tickt im Hintergrund: US-Kartellbehörden prüfen parallel ein Verfahren wegen Preisabsprachen. Die FIFA könnte also nicht nur in Brüssel, sondern auch in Washington verlieren.

Infantino plant trotzdem schon die nächste Eskalation. Für die Klub-WM 2029 in Saudi-Arabien streicht man bereits die günstigsten Kategorien komplett. Das Motto scheint zu lauten: Wer zahlt, darf dabei sein. Die Frage ist nur, wie lange die Politik noch zusieht, wenn das Spiel um Geld die Grenze des Erträglichen überschreitet.