Eberl kämpft ums zepter – hoeneß’ langer schatten wird länger
Max Eberl sitzt, aber er thront nicht. Seit 18 Monaten ist der 52-jährige Sportvorstand beim FC Bayern, doch die Säbener Straße bleibt ein Minenfeld. Am Freitag platzte ihm der Kragen: „Seit ich hier bin, habe ich mit Kritik zu kämpfen – in welcher Form auch immer.“ Die Worte klangen wie ein Seufzer, der in München noch Echo erzeugt.
Hoeneß’ grube: ein milliarden-laden mit kontrollzwang
Der Ehrenpräsident liebt klare Kante. Im September 2025 präsentierte Uli Hoeneß im Doppelpass seine Rechnung: Fehlende Absprache mit dem Aufsichtsrat, Eigenmächte, zu viel Alleingang. „Es wäre auch für Max gut, wenn er begreift, dass man solche Dinge auf mehrere Schultern verteilt“, sagte er – und schickte damit den Sportvorstand in die Schranken. Wer in München mitreden will, muss auch mit Hoeneß reden. Eberl tat das offenbar zu selten.
Die Folge: Vertragsverlängerungen geraten ins Stolpern. Dayot Upamecano sollte eigentlich Frühjahr 2025 unterschreiben. Eberl hatte die Einigung, der Aufsichtsrat legte ein Veto ein. Der Franzose spielte sich in der Pause zum Top-Preis hoch – und kostet nun deutlich mehr. Ein Lehrstück für den Vorstand: Wer zögert, zahlt doppelt.

50-Prozent-chance: ein offener schlusspunkt auf 50 millionen
Die Sport Bild beziffert Eberls Überlebenschancen auf „fifty-fifty“. Das klingt nach Roulette, ist aber besser als es aussieht. Nach einem Jahr aus Kritik und internen Rückschlägen ist ein Gleichstand fast eine Siegesmeldung. Im Klub gibt es intern zwei Lager: Die einen monieren zu viel Eigeninitiative, die anderen bemängeln Mikro-Management durch den Aufsichtsrat. Eberl steht zwischen den Fronten – und weiß, dass der nächste Sturm von der 78-jährige Ikone kommen könnte.
Oliver Kahn liefert indirekte Hilfe. Der Ex-CEO wetterte gegen den „Schneckentempo“-Generationswechsel und zog erneut den Vergleich zu „Succession“, jener HBO-Serie über einen Patriarchen, der Macht nicht abgibt. Die Botschaft: Wer zu lange an der Macht klebt, bremst den Verein. Die Spitze richtet sich gegen Hoeneß – und trifft damit auch Eberls Widersacher.
Eberl selbst wirkt unbeeindruckt. Er zählt statt zu klagen: „Wir haben eine Mannschaft, die Spaß macht. Wir haben die Möglichkeit, sehr viel zu erreichen dieses Jahr.“ Ob das reicht, entscheidet sich im Sommer 2027. Dann läuft sein Vertrag aus – und mit ihm die Geduld des Aufsichtsrats. Bis dahin muss er nicht nur Transfers abschließen, sondern auch Köpfe überzeugen. In München ist das keine Sportfrage, sondern eine Machtfrage. Und die wird nicht auf dem Rasen, sondern im Aufsichtsratssaal entschieden.