Dfb-taskforce sprengt aufstiegsbremse: ki-algorithmus oder klassische staffelung – regionalliga steht vor radikalem kurswechsel

Die Aufstiegsspiele in die 3. Liga haben ausgedient. Nach knallharten fünfstündigen Verhandlungen im Frankfurter Hermann-Neuberger-Haus legte die DFB-Arbeitsgruppe „Regionalliga-Reform“ zwei konkrete Modelle auf den Tisch – und versetzt 80 Klubs in kollektiven Ausnahmezustand.

Das kompass-modell: ki sortiert traditionsvereine neu

80 Teams, vier Staffeln, null menschliche Vorbehalte. Ein selbstlernender Algorithmus wertet Reisedistanz, Derby-Potenzial und historische Zuschauerzahlen aus, bevor er die Regionalliga-Nord-, Nordost-, West-, Südwest- und Bayern-Mannschaften in neue geografische Cluster packt. Für Aufsteiger wie Teutonia Ottensen oder Bayern-IIs heißt es: Wer in der Saison 2025/26 oben mitmischen will, muss künftig auch Montagabend in Unterhaching oder Freitagnachmittag in Aachen antreten können – der Rechner kümmert sich nicht um Lokalpatriotismus. Der DFB verspricht: keine 600-Kilometer-Trips, dafür aber maximale TV-Relevanz.

Die Gegner des Modells warnen vor Identitätsverlust. „Wenn der Kiez-Derby-Charakter verschwindet, verlieren wir das Herzstück der Regionalliga“, sagt ein Vorstandsmitglied des FC St. Pauli II, das unter strenger Anonymität bleibt. Die Zahlen sprechen allerdings eine andere Sprache: Durchschnittliche Fahrtstrecken sollen um 18 Prozent sinken, Auswärtsblocks um 12 Prozent steigen. Für Kamerateams entsteht ein durchgängiges Sendefenster von Freitag 19 Uhr bis Montag 20 Uhr – ein Sehnsuchtsbild für jeden Sportdirektor von MagentaSport.

Das regionen-modell: nord und nordost spalten sich auf

Das regionen-modell: nord und nordost spalten sich auf

Wer Angst vor KI hat, findet im zweiten Papier ein klassisches Flickenteppich-Konstrukt. Nord und Nordost formieren je eine Ost-West-Staffel, Bayern kreiert eine Alpen- und eine Donau-Gruppe. West und Südwest behalten ihre Konturen, kassieren dafür aber zwei weitere Direktaufsteiger. Resultat: vier Meister, vier Tickets zur 3. Liga – keine Relegation, keine Lotterie. Die Folge ist ein Schlag ins Kontor für Traditionsklubs wie VfB Lübeck oder Energie Cottbus, die sich bisher über Play-off-Prügel qualifizierten.

DFB-Sportdirektor Dr. Michael Vesper nennt die Entscheidung „befreiend“. Hinter den Kulissen heißt es, die Bundesligavereine hätten Druck gemacht: Sie wollen ihre U23-Teams nicht mehr in Endspielen verheizen, deren Terminkalender ohnehin schon überfrachtet ist. Ein Blick in die Historie zeigt, warum der Play-off-Modellierer keine Freunde mehr hat: In den letzten zehn Jahren schafften nur drei Nord-Clubs den Durchmarsch, zwei davon mussten danach wegen Lizenzmangels wieder runter. Für die Finanzplanung ein Alptraum.

Machtfrage bis september: klubs mümen zwischen tv-kohle und derby-kultur

Machtfrage bis september: klubs mümen zwischen tv-kohle und derby-kultur

Bis 15. September müssen die fünf Regionalliga-Träger ihre Stimmzettel zurücksenden. Voraussichtlich treffen sie sich dabei auf einem außertourlichen Verbandstag in Kassel, wo ein einfaches Mehrheitsprinzip gilt. Wer die Klubs derzeit befragt, spürt: Kleine Vereine votieren für das Kompass-Modell, große Traditionsmannschaften schwören auf das Regionen-Modell. Die Entscheidung dürfte an den U23-Vereinen hängen: 18 Profiklubs betreiben derzeit Reservemannschaften in der Regionalliga – ihre Stimme wiegt doppelt, weil sie über Nachwuchskonzepte und Lizenzierung Druck ausüben können.

Die Zeit drängt. Die neue Saison 2025/26 soll laut DFB-Plan bereits unter neuen Regeln starten. Das bedeutet: Spielpläne müssen im Dezember stehen, Kaderplanung beginnt jetzt. Für Vereine wie den 1. FC Schweinfurt, der seine Infrastruktur gerade auf 3.-Liga-Standard hochzieht, ist die Reform existenziell. „Wir haben 1,2 Millionen in LED-Floodlight und Rasenheizung investiert“, sagt Geschäftsführer Michael Möller. „Wenn sich die Geografien verschieben, kann das unsere Auslastung um 25 Prozent kosten.“

Die große Unbekannte bleibt der DFB-Bundestag. Selbst wenn die Regionalliga-Träger sich einigten, muss der Verband die Reform ratifizieren. Und dort sitzen noch die Länderverbände, die um ihre Macht fürchten. Am Ende droht ein Patt – und eine weitere Saison mit halbgaren Kompromissen. Die Spieler selbst sind indes entschlossen: In WhatsApp-Gruppen kursiert bereits ein Meme, das den Aufstiegsspiel-Ball in einen Müllhaufen rollen lässt. Der Kommentar: „Endlich weg, der alte Fußballtod.“ Für sie beginnt jetzt die Zukunft – mit oder ohne Algorithmus.