Cottbus stolpert im pokal, vor liga-kracher droht ärztedrama

Der Pokal schlägt zurück. Nach dem 1:3-Elfmeter-K.o. beim Außenseiter RSV Eintracht Stahnsdorf brodelt es im Brauhausstadion: FC Energie Cottbus rutschte am Samstag nicht nur aus dem Landespokal, sondern auch in eine personelle Schieflage, die den Aufstiegsplan ins Wanken bringen könnte.

Verletzungssorgen überschatten ost-kracher gegen erzgebirge aue

Claus-Dieter Wollitz redet sich tapfer in die Hoffnung. „Wir werden aufstehen und erfolgreich Fußball spielen“, sagt der Coach, doch seine Stimme klingt wie ein Stück Sandpapier. Drei Tage vor dem Heimspiel gegen Aue (Samstag, 14 Uhr) zählt er nicht Trikots, sondern Gipsverbände. Mit Yannik Möker (Bänderriss-Verdacht), Romario Hajrulla und Henry Rorig (beide Bauchmuskel-Entzündung) fehlten gestern beim Training komplett die linke Seite. Niko Bretschneider tappt mit gebrochener Mittelhand durch den Kabinengang, muss kommende Woche unters Messer. Ob er mit der blau-weißen Schiene spielen darf, entscheidet der Chirurg.

Der größte Schmerz sitzt aber zwischen den Ohren. Timmy Thiele, 14 Tore in dieser Saison, trainiert zwar wieder, aber die Knie schreien bei jedem Sprint. „Die Laufwerte stimmen, die Harmonie nicht“, sagt Wollitz. Gemeint ist: Thiele trägt noch den Pokal-Krach mit sich herum. Er verpasste die entscheidenden Elfmeter, sein Gesicht nach dem Schuss war ein einziger Fragezeichen-Faltenwurf.

Historischer aufstieg oder medizinischer kollaps – jetzt zählt jeder schritt

Historischer aufstieg oder medizinischer kollaps – jetzt zählt jeder schritt

Tabellenplatz zwei, drei Punkte Vorsprung auf Rang vier – das klingt nach Polster, ist aber ein Seil ohne Netz. Die 3. Liga spielt bis Mai, doch Cottbus muss schon jetzt jede Woche punkten, weil Verfolger Dynamo Dresden und Rot-Weiss Essen ihre Programme im Rücken aufdrehen. „Wir brauchen keine Rechnungen, wir brauchen Siege“, sagt Wollitz und klingt dabei mehr wie ein Feldwebel als wie ein Taktiker.

Die Auer kommen mit neuem Coach Pavel Docic, der die Mannschaft aus dem Schongang in den Pressing-Modus umgestellt hat. Drei Siege in den letzten vier Spielen, dazu eine Pressing-Intensität von 1,83 Balleroberungen pro Spiel in der gegnerischen Hälfte – Zahlen, die Cottbus’ Defensive kalt duschen lassen. „Die haben mehr Potenzial als Platz 10“, warnt Wollitz und meint damit: Aue ist der letzte Prüfstein vor dem Aufstiegs-Endspurt.

Am Brauhausberg steht die Lausitzer Braustube kurz vor dem Kollaps – medizinisch und emotional. Die Fans haben 25 000 Tickets schon weggekauft, die Sehnsucht nach der zweiten Liga ist greifbar. Doch wenn Möker, Hajrulla und Rorig ausfallen, rückt Innenverteidiger Matti Lipp auf die Außenbahn, ein Umstand, der selbst im Trainingslager für Stirnrunzeln sorgte. Die Not-Elf hat keinen Plan B.

Die Stunde der Wahrheit schlägt Samstag um 14 Uhr. Entweder Cottbus nimmt die letzten drei Punkte mit oder die Verletztenliste wird zum Aufstiegsgrab. Wollitz’ letzte Botschaft an die Mannschaft: „Hinfallen ist erlaubt, liegenbleiben nicht.“ Die Saison ist ein einziges Balanceakt – und das Netz schrumpft mit jedem Schlag.