Bender wirft hin: kein glaube mehr an burghausens 3-liga-traum

Lars Bender hat die Reißleine gezogen. Nach 15 Monaten an der Salzach verlässt der 36-Jährige Wacker Burghausen freiwillig – weil er den eingeschlagenen Weg nicht mehr mitgeht. „Ich sehe keine realistische Chance auf den Aufstieg“, sagt er, „und ohne Perspektive bin ich der Falsche am Spielfeldrand.“

Der knoten platzte schon im winter

Intern war das Ende länger absehbar. Die Vereinsgarantie „3. Liga bis 2030“ geriet immer mehr zum Papiertiger – kein Konzept, kein Etat, kein klares How-to. Bender, der sich vor Jahresfrist noch selbst in die Zukunft redete, merkte: Der Klub rudert, er soll schwimmen. Also stieg er aus, bevor er ertrinkt. Geschäftsführer Andreas Huber reagierte prompt und lotste Matthias Ostrzolek vom Konkurrenten Schwaben Augsburg an den Inn. Zwei Jahre Vertrag, sofortige Vollmacht. Die Botschaft: Ein Neuanfang, nicht nur ein Trainerwechsel.

Doch die Saison ist noch nicht vorbei. Bender will sein letztes Kapitel nicht im Sturm verlassen. Drei Punkte aus drei Spielen – das ist weniger Stagnation als Ausrutscher. „Wir sind unrund, weil wir keinen Rhythmus kriegen“, sagt er. Zweimal fiel die Partie aus, das Team hopste von Trainingseinheit zu Trainingseinheit. Ergebnis: ein unrudimentiertes 0:2 in Vilzing, ein verschlafenes 0:1 in Illertissen. Die Standards? „Hinten fressen wir Eckbälle, vorne verpassen wir sie“, so Bender. Der letzte Auswärtssieg datiert vom 30. September – in Bayreuth, vor 177 Tagen.

Pokal-kracher als emotionaler katalysator

Pokal-kracher als emotionaler katalysator

Trotzdem brodelt es in der Kabine nicht, es kocht. Dienstag gastiert Wacker bei den Kickers. Ein Halbfinale, live im Free-TV. „So ein Spiel holst du dir nicht alle Tage“, sagt Bender. Er will mit einem Pokalfinale Abschied nehmen, nicht mit einem Abstiegsruck. Die Rechnung: Selbstvertrauen tanken, dann gegen Buchbach und Würzburg die Kurve kriegen. Rang sieben war 2023 drin, diesmal reicht auch Platz acht, wenn die Moral stimmt. Der Trainer glaubt daran – er muss schließlich seine eigene Rede wahren.

Am Saisonende überreicht er die Staffel an Ostrzolek. Keine Tränen, kein Streit, nur ein Schulterschluss. „Ich stehe auf große Visionen“, sagt Bender, „aber ich stehe noch mehr auf klare Wege.“ Den konnte ihm Burghausen nicht zeigen. Also sucht er ihn woanders – und lässt den Klub zurück, der den Stecker zog, bevor der Motor warm lief.