Bayern droht chaos-streik: champions-league-spiel vor verkehrskollaps

München steht still. Und mitten drin der FC Bayern. Am Mittwoch legt ver.di ab 11 Uhr den kompletten ÖPNV lahm – genau am Tag des Achtelfinal-Rückspiels gegen Atalanta Bergamo. 21 Uhr Anpfiff, 75.000 Fans, keine U-Bahn, keine Tram, kaum Busse. Die Arena öffnet deshalb bereits um 18.45 Uhr, drei Stunden früher als sonst.

Die mvg zieht den not-stick

Die Münchner Verkehrsgesellschaft kramt den Februar-Notplan wieder heraus. Erinnerung: Damals half eine verstärkte U6-Taktung auf der Strecke nach Fröttmaning, während der Rest der Stadt im Streik-Stau versank. Bus-Shuttles wurden aufgestockt, Park-and-Ride-Plätze gedreht wie nie zuvor. Der Trick funktionierte – aber nur, weil Leipzig-Fans deutlich weniger Reisende mobilisierten als ein Champions-League-Abend.

Diesmal droht eine andere Dimension. Bergamo bringt Auswärts-Fans mit, dazu die übliche Bayern-Crowd, dazu jene, die sonst nie ins Stadion fahren, aber bei K.o.-Spielen dabei sein wollen. Die MVG rüstet „Sonderbetrieb“ – das klingt nach mehr, ist aber vor allem heiße Luft, weil Streikposten an zentralen Knotenpunkten Haltestellen blockieren dürfen.

Die heimliche pkw-erlaubnis

Die heimliche pkw-erlaubnis

Der Klub spricht es offiziell nur vorsichtig aus: „Organisieren Sie Fahrgemeinschaften.“ Hinter den Kulissen heißt es deutlicher: Wer ein Auto hat, soll es nutzen. Die Allianz Arena verlängert Öffnungszeiten, Parkplätze werden freigegeben, die sonst erst zwei Stunden vor Anpfiff belegt werden dürfen. Die Stadt schickt zusätzliche Polizei auf die Autobahn-Auffahrten, damit chaotische Wildparker nicht die A9 verstopfen.

Die Ironie: Ein Verein, der sich sonst mit Klimaschutz brüstet, bittet seine Anhänger nun ausgerechnet zur Spritschluckenden Massen-Anreise. Die CO2-Bilanz des Abends dürte sprunghaft steigen – notgedrungen.

Streik bis freitag, folgen bis samstag

Streik bis freitag, folgen bis samstag

Wer denkt, nach dem Schlusspfiff sei der Spuk vorbei, irrt. Der Streik dauert offiziell bis Freitag 4 Uhr. Die MVG warnt, dass sich Verspätungen bis in den Samstag hinein fortsetzen können, weil Betriebspausen und Fahrzeugumläufe durcheinandergeraten. Wer also plant, am Donnerstag zur Arbeit zu fahren, sollte Home-Office einrichten oder den Wecker zwei Stunden früher stellen.

Bayern droht ein Nachspiel jenseits des Rasens. Sollte das Spiel die Zuschauerzahlen nicht erreichen, könnte die UEFA ein Verfahren wegen „unzureichender Zuschaueranreise“ prüfen – ein seltenes, aber denkbares Kapitel im Regelwerk. Die Fans jedenfalls haben die Wahl zwischen Stau, Schienenersatzverkehr oder dem Sofa. Die Wette gilt: Die Allianz Arena wird trotzdem voll sein – selbst wenn die Stadt drum herum stillsteht.