Balkan-handball plant comeback: neue liga soll alte rivalen wieder vereinen

Die SEHA-Liga ist tot, lang lebe der Nachfolger. Nach dreijähriger Funkstille ringen Montenegro, Nordmazedonien und Serbien um ein Revival des einst stolzen Balkan-Handballs. Der Dreiklang aus Pandemie und Krieg hatte das Projekt 2020 kaltgestellt – nun steht eine Entscheidung für April an, und Vardar wie Alkaloid wittern ihre Rückkehr auf die internationale Bühne.

Die alte ordnung zerfiel – eine neue bahnt sich an

Neun Titel holte der HC Vardar 1961 Skopje in der SEHA-Liga, Zagreb folgte mit sieben Medaillen. Die Zahlen sind ein Relikt aus besseren Tagen, als der Balkan den Europacup dominierte und die Halle in Skopje vor 7.000 Fans bebte. Doch Corona sperrte die Tore, und der Krieg in der Ukraine riss auch die letzten Sponsorenträume mit sich. Die Liga wurde eingemottet – nicht beerdigt, wie sich nun zeigt.

Die Handballverbände der drei Länder trafen sich in Belgrad, und was wie eine Routine-Runde klang, entpuppte sich als Kraftakt. Keiner spricht mehr von SEHA, stattdessen heißt das Zauberwort „regionale Ligen“ – getrennt nach Männern und Frauen, aber vereint unter dem Dach einer neuen Ära. Der serbische Verband ließ durchsickern, dass bereits ein Modell auf dem Tisch liegt, das September 2024 als Starttermin vorsieht.

Skopje wird zum schiedsgericht – vereine sollen mitreden

Skopje wird zum schiedsgericht – vereine sollen mitreden

Die finale Runde findet in der mazedonischen Hauptstadt statt. Alle wesentlichen Parameter – Spielmodus, TV-Rechte, Verteilung der Europacup-Plätze – sollen dort verhandelt werden. Besonderheit: Die Klubs werden nicht nur zugelassen, sie bekommen ein Vetorecht. Das ist neu, das ist auch notwendig. Ohne Vardar, ohne Zagreb, ohne den montenegrinischen Serienmeister Budućnost droht jede Liga zum Exotenturnier zu verkommen.

Die Kalkulation dahinter ist simpel. Gemeinsame Ligen bedeuten mehr Top-Spiele pro Saison, höhere Zuschauerzahlen und ein besseres TV-Produkt. Die Balkan-Fans sind leidenschaftlich, aber nicht blauäugig: Sie wollen Derbys, nicht Testspiele. Die Frauenliga WRHL lief bereits von 2008 bis 2015 und lieferte den Beweis, dass ein multinationaler Ansatz funktionieren kann – wenn er finanziell abgesichert ist.

Der countdown läuft – mit oder ohne die alten giganten

Der countdown läuft – mit oder ohne die alten giganten

Die Uhren ticken laut. Sponsoren warten auf ein Konzept, die Europäische Handball-Föderation wartet auf einen Nachrücker für den gefährdeten EHF-Cup-Platz, und die Fans warten auf die Rückkehr der Kurvengesänge. Die Verbände haben noch sechs Wochen, um das Modell final zu verpacken. Dann entscheidet sich, ob der Balkan-Handball seine Vorherrschaft zurückerobern kann – oder ob die besten Teams weiterhin in deutschen, ungarischen oder französischen Hallen ihre Punkte sammeln.

Wenn die Entscheidung fällt, wird sie nicht nur über Ligastrukturen urteilen, sondern über die Zukunft einer ganzen Region. Der Sport vergisst schnell, aber die Statistik nicht: Kein Balkan-Club hat seit 2020 einen Europacup gewonnen. Die neue Liga will das ändern – und hat genau eine Saison Zeit, um zu beweisen, dass der Balkan mehr ist als ein Schauplatz schöner Erinnerungen.