Assinger wirft hin – pfeifer darf bleiben: ösv plant mit gespaltenem kurs in die zukunft

Roland Assinger geht, Marko Pfeifer bleibt. Die Kärntner Doppelspitze des Österreichischen Skiverbands löst sich mit einem Schlag auf: Assinger lehnt eine Verlängerung als Damen-Cheftrainer ab, Pfeifer erhält bis 2028 Rückendeckung. Drei Tage nach dem Finale in Saalbach schlägt Ski Austria eine Richtung ein, die bei den Frauen auf Bruch und bei den Männern auf Kontinuität setzt.

Assinger verlässt den bau, den er selbst aufrichtete

Die Kristallkugel im Riesenslalom, die kleine Kugel in der Abfahrt, der Nationencup – alles Errungenschaften unter seiner Ägide. Dennoch zieht der 52-Jährige einen Schlussstrich. „Nach 36 Monaten am Limit ist mein Akku leer“, sagt er intern. Der Verband spielte das als freiwilligen Rückzug herunter. Intern wusste man längst: Die Zusammenarbeit mit Teilen des Athletinnen-Pools war zuletzt angespannt. Besonders die Frage, warum einige Topläuferinnen nach dem Saison-Höhepunkt in Andorra abrupt die Leistung einbüßten, blieb unbeantwortet. Assinger selbst redet von „neuen Herausforderungen“ und soll künftig als Berater fungieren – ein Posten mit reduzierter Reisebelastung und ohne direkte Trainingssteuerung.

Die Nachfolge ist offen. Christian Mitter, sportlicher Leiter, will „in den nächsten vier Wochen“ Kandidaten gesprächen. Namen? Noch keine. Aber die interne Favoritenliste ist kurz: Florian Scheiber, derzeit Assingers Assistent, gilt als interne Lösung. Ex-Rennläuferin Nicole Hosp oder der Schweizer Damen-Coach Roland Pfeifer (keine Verwandtschaft mit Marko) sind externe Optionen. Die Entscheidung fällt vor dem ersten Sommercamp auf dem Hintertuxer Gletscher – sonst verpasst der neue Mann die Planung für den nächsten Olympia-Zyklus.

Pfeifer bekommt den langen atem, den ihm niemand zugetraut hatte

Pfeifer bekommt den langen atem, den ihm niemand zugetraut hatte

Während die Damen-Seite um ihr Gesicht ringt, feiert die Herren-Abteilung Planungssicherheit. Marko Pfeifer, 51, erhält einen Vertrag bis 2028 – das ist in Österreichs Männerskisport gleichbedeutend mit vier Jahren voller Budgetgarantie. Ein Verdienst? Sicher. Aber auch ein Kalkül: Nach dem Debakel von Peking wagte der Verband den Reset, setzte auf Pfeifers Konzept „Weniger Druck, mehr Prozess“. Resultat: Marco Schwarz holte Silber in der Weltcup-Gesamtwertung, die Technik-Mannschaft stand in sechs von zehn Rennen auf dem Podium. Der Nationencup wurde knapp verpasrt, doch die interne Statistik zeigt: Seit Pfeifers Amtsantritt stieg die Top-10-Quote um 18 Prozent. Zahlen, die sich schwarz auf weiß ausdrucken lassen.

Die Botschaft ist klar: Die ÖSV-Führung glaubt, mit Pfeifer den richtigen Mann für die nächste Olympia-Heimspiel in Cortina 2026 gefunden zu haben. Und sie signalisiert den Fahrern: Wer jetzt aufspringt, darf sich auf Kontinuität verlassen. Das ist in einem Sport, in dem Trainerwechsel oft die erste Reaktion auf Misserfolg sind, kein kleiner Wert.

Was bleibt, ist ein verband, der auf zwei geschwindigkeiten fährt

Was bleibt, ist ein verband, der auf zwei geschwindigkeiten fährt

Die Damen starten mit Fragezeichen in den Sommer, die Männer mit Ausrufezeichen. Das Risiko: Die Lagerbildung verfestigt sich. Die Chance: Neue Impulse treffen auf bewährte Strukturen. Assinger wird nicht mehr auf der Rennstrecke stehen, aber seine Kristallkugeln glänzen weiterhin im Schrank von Ski Austria. Pfeifer darf weitermachen, muss aber liefern – sonst wirkt der Vertrag bis 2028 wie ein goldenes Gefängnis.

Die Saison ist vorbei, der Countdown läuft. In 100 Tagen geht’s auf den Gletscher. Wer dann die Gruppen betritt, entscheidet, ob Österreich 2026 zu Hause Medaillen holt – oder nur Erinnerungen an vergangene Kristallkugeln aufpoliert.