Anja althaus und martin heuberger nominieren 19 top-talente für neue dhb-elitestufe
Die Zukunft des deutschen Handballs trägt jetzt Namen. Anja Althaus und Martin Heuberger haben 19 Spielerinnen und Spieler für die frisch geliftete Eliteförderung des Deutschen Handball-Bunds (DHB) ausgewählt – ein Schachzug, der sich bereits bei EM- und WM-Debütanten wie Juri Knorr oder Viola Leuchter bezahlt gemacht hat.
Warum diese 19 jungen athleten plötzlich im fokus stehen
Die Liste liest sich wie ein Who-is-Who der kommenden Bundesliga-Saison. Rasmus Ankermann (16), Mittelmann des THW Kiel, gilt als Hirn mit Torinstinkt; Marie Weiss (19) aus Metzingen hält selbst Routiniers mit 1,86 m Körpergröße den Spiegel vor. Sie alle bekommen ab sofort ein individuelles Upgrade: Mikroanalysen per Video, athletisches Feintuning, psychologische Kurz-Checks – und ein Mentor, der die Schul- oder Ausbildungsstunden mit dem Trainingsplan verzahnt.
Das Konzept ist simpel, aber radikal. Statt Dutzende in Sichtweite zu halten, setzt der DHB auf eine verschmähte Größe: 19. „Wir wollen keine Parallelstruktur zur Bundesliga, sondern einen Turbo für Vereinsarbeit und Nationalmannschaft“, erklärt Sportvorstand Ingo Meckes. Die Clubs behalten ihre Leistungsträger, der Verband liefert Werkzeuge. Ergebnis: Die Talente bleiben länger im heimischen System, statt mit 19 nach Skandinavien oder Frankreich abzuwandern.

So funktioniert die neue betreuung
Althaus und Heuberger agieren als Türöffner. Sie vereinbaren mit Vereinstrainern kurzfristige Last-Minuten-Programme, wenn ein Spieler zwischen Abi-Prüfung und U21-Lager pendelt. Ein Beispiel: Tim Schröder (Kreis, Füchse Berlin) trainiert ab sofort dienstags mit den Bundesliga-Profis, mittwochs absolviert er Sprint-Checks auf dem Campus, donnerstags gibt es mentales Coaching – und am Wochenende darf er in der 3. Liga ran, um Spielpraxis zu sammeln. Kurz: Es wird kein Blut unter den Nageln gezogen, sondern ein individueller Leistungspfad.
Die bisherige Bilanz spricht für sich. Von den 27 Athleten, die vor drei Jahren in die Vorgänger-Initiative starteten, standen acht im Januar bei der WM in Katowice auf der Platte. Nieke Kühne schoss sich mit 23 Treffern in die Top-Torschützenliste, Renars Uscins avancierte zum Social-Media-Liebling. Die neue Riege soll noch schneller reifen – weil der internationale Konkurrenzkampf zunimmt und der DHB nach dem EM-Aus der Männer und dem Viertelfinal-Aus der Frauen Lücken stopfen muss.
Was die clubs vom programm erwarten
Keine Extrawurst, sondern Entlastung. „Wir bekommen diagnostische Daten, die wir uns alleine nie leisten könnten“, sagt TVB Stuttgart-Manager Stefan Adam, dessen zwei Jungprofis Linus Schmid und Julien Sprößig auf der Liste stehen. Die Vereine sparen Reha-Kosten, weil Verletzungsrisiken früher erkannt werden. Gleichzeitig verhandelt der DHB mit Schulzentren in Leipzig, Hamburg und München über flexible Stundenpläne – ein Novum im deutschen Spitzensport.
Die Uhr tickt. In 18 Monaten steht die U21-WM im eigenen Land an, 2028 folgt die Olympiade in Los Angeles. Meckes hat die Marschrichtung klar: „Wer 2032 Medaillen holen will, muss heute starten.“ Die 19 Auserwählten sind gewarnt – oder besser: eingeladen, Geschichte zu schreiben. Denn im deutschen Handball gilt seit heute: Entweder Eliteförderung oder Außenseiterrolle. Mittelmaß wird nicht mehr gefördert.
