Wimbledon-schock: kann hier wirklich jeder gewinnen?
Die Wimbledon-Tradition, geprägt von den dominanten Spielerinnen vergangener Jahrzehnte, scheint einem Erdbeben ausgesetzt. Sechs Rasenturniere, sechs unterschiedliche Championinnen – ein Musterbruch, der selbst gestandene Tennisexperten ins Grübeln bringt. Wer wagt es, in dieser Saison eine fundierte Prognose abzugeben?

Die zeiten von graf und den williams-schwestern sind vorbei
Erinnern Sie sich noch an die Ära von Martina Navratilova, Steffi Graf und den unschlagbaren Williams-Schwestern? 28 Titel in 39 Jahren – eine schier unglaubliche Dominanz, die das Bild von Wimbledon über Jahrzehnte prägte. Doch diese Zeiten sind längst vorbei. Eine neue Ära des Wandels hat begonnen, in der die Konkurrenz so dicht ist wie nie zuvor.
Nehmen wir Robin Montgomery, eine 21-jährige Amerikanerin, die vor kurzem in der Weltrangliste auf Platz 484 notiert war. Was für eine Überraschung, als sie in Den Bosch einen Titel gewann! Natürlich gab es Einwände, man wisse doch, dass sie nicht ganz schlecht ist. Aber einen Titel bei einem WTA-Turnier zu holen, ist eben doch eine andere Liga. Nun steht Montgomery im Hauptfeld von Wimbledon und hat nur noch sieben Siege vor sich – klingt einfach, ist es aber bei Weitem nicht.
Die Polin Iga Swiatek, als Titelverteidigerin ins Turnier gestartet, ist ein Paradebeispiel für diese neue Offenheit. Gerade in Wimbledon scheint alles möglich. Ihr Auftritt in Bad Homburg, das letzte Rasenturnier vor Wimbledon, war alles andere als überzeugend – eine frühe Niederlage. Kann sie ihre Form wiederfinden und den Titel verteidigen? Eine Frage, die viele Fans beschäftigt.
Auch Elena Rybakina, die 2022 mit ihrem Wimbledon-Sieg für Furore sorgte, scheint mit dem Rasen zu kämpfen. Ihre Auftritte in Queens und Berlin waren von Ratlosigkeit geprägt, insbesondere gegen die junge Philippinerin Alexandra Eala, die ihren Monster-Aufschlag mühelos konterte. Rybakina könnte theoretisch die neue Nummer 1 der Welt werden – doch auf welche Karte man wetten sollte, ist schwer zu sagen.
Jessica Pegula, eine hoch talentierte Amerikanerin, könnte der Schlüssel zur Lösung dieses Rätsels sein. Ihre harten, flachen Schläge sind auf Rasen besonders gefährlich, und ihre gute Beinarbeit gibt ihr einen entscheidenden Vorteil gegenüber Spielerinnen wie Sabalenka und Rybakina. Ihr Finaleinzug in Berlin lässt hoffen, obwohl sie auch letztes Jahr in Wimbledon überraschend früh ausschied. Rasen ist unberechenbar.
Die tschechische Schule des Tennis scheint unerschöpflich zu sein. Nach Vondrousova und Krejcikova könnte diesmal Noskova für einen Überraschungssieg sorgen. Die jungen Spielerinnen sind hungrig und bereit, Geschichte zu schreiben. Die Wimbledon-Saison 2026 verspricht ein spannendes und unvorhersehbares Spektakel zu werden.
Die Männer? Da gibt es Sinner. Punkt.
