Wimbledon-protest: top-stars kürzen interviews drastisch

Wimbledon steht vor einer ungewöhnlichen Eskalation: Die Weltstars des Tennis haben beschlossen, ihre Medienverpflichtungen in der ersten Turnierwoche auf lediglich 15 Minuten zu reduzieren. Ein klarer Protest gegen die Verteilung der Preisgelder und die mangelnde Berücksichtigung der Spielerinteressen.

Die zahl 15: mehr als nur eine willkürliche angabe

Die zahl 15: mehr als nur eine willkürliche angabe

Die Entscheidung ist kein Zufall. Die 15 Minuten entsprechen dem Prozentsatz der Einnahmen der Grand-Slam-Turniere, der durchschnittlich für Preisgelder vorgesehen ist. Sinner, Sabalenka und andere Top-Spieler fordern seit letztem Jahr eine Erhöhung auf 22% bis 2030 – eine Anhebung, die an die Verhältnisse bei gemeinsamen ATP- und WTA-Turnieren angeglichen wäre. Larry Scott, der ehemalige Manager von ATP und WTA, unterstützt diese Forderung und hat sie nun öffentlich bekräftigt.

Doch es geht um mehr als nur Geld. Die Spieler fordern außerdem verbesserte Altersvorsorge- und Krankenversicherungsleistungen. Die Reaktion des All England Club mit einer angekündigten Erhöhung der Preisgelder um 20% für 2025 – das bedeutet 64,2 Millionen Pfund (knapp unter 75 Millionen Euro) – hat die Spieler nicht überzeugt. Der Gewinn des Einzel-Champions (männlich und weiblich) wird auf 3,6 Millionen Pfund (4,2 Millionen Euro) steigen, doch dies entspricht laut Spielerangaben lediglich 14,4% des voraussichtlichen Umsatzes von 515 Millionen Euro im Jahr 2026.

Ein Vergleich mit der Vergangenheit zeigt die Diskrepanz deutlich: Bereits 2015 stellte der All England Club 14,9% der Einnahmen den Spielern zur Verfügung. Die Einnahmen sind gestiegen, die Anteile an den Spielern jedoch nicht. Im Gegenteil, Wimbledon erwirtschaftete im vergangenen Jahr einen Gewinn von 62 Millionen Euro, von denen 56 Millionen (90%) an die LTA (Landesverband für Tennis) gingen – die Organisation investiert dieses Geld in die Förderung des Tennissports in Großbritannien. Die verbleibenden 6 Millionen Euro (10%) flossen zurück in den Club.

Die Spieler kritisieren zudem das Fehlen von Antworten des All England Clubs hinsichtlich der Einrichtung eines