Wimbledon-preisgeld: genug für die stars?

Wimbledon hat die Schlagzeilen erobert – nicht nur wegen des Rasens und der königlichen Atmosphäre, sondern auch wegen der anhaltenden Debatte um das Preisgeld. Der All England Lawn Tennis Club (AELTC) hat das Preisgeld um satte 20 Prozent auf 64,2 Millionen Pfund (ca. 74,4 Millionen Euro) erhöht. Doch für viele Spieler reicht es offenbar noch lange nicht.

Ein „konstruktiver“ dialog – aber die probleme bleiben

Ein „konstruktiver“ dialog – aber die probleme bleiben

Die Ankündigung des AELTC kam nach einer stillen Protestaktion der Spieler, die in Paris bereits angedeutet wurde: Weniger Zeit für Interviews, ein Zeichen des Unmuts. Die Gespräche mit dem AELTC wurden als „konstruktiv“ bezeichnet, und die Spieler haben angekündigt, die Medientermine wieder aufzunehmen. Aber die „grundlegenden Fragen“ – so die offizielle Formulierung – sind weiterhin unbeantwortet.

74,4 Millionen Euro mögen beeindruckend klingen, doch im Vergleich zu anderen Grand-Slam-Turnieren und den Einnahmen des Veranstalters ist es ein Tropfen auf den heißen Stein. Die Australian Open verteilen beispielsweise 63,6 Millionen Euro, die US Open sogar 90 Millionen Dollar. Der Unterschied liegt nicht nur in der Höhe des Preisgeldes, sondern auch in der Art und Weise, wie die Einnahmen verteilt werden. So fließen bei den Australian Open erhebliche Mittel in die Unterstützung der Spieler, beispielsweise für Reisekosten und soziale Programme.

Die Spieler, angeführt von Novak Djokovic und anderen Top-Stars, fordern eine prozentuale Beteiligung von 22 Prozent der Einnahmen am Preisgeld innerhalb von 2030, eine Anhebung, die an die „combined events“ der ATP und WTA angelehnt ist. Darüber hinaus fordern sie bessere Renten- und Krankenversicherungsleistungen – Forderungen, die angesichts der Belastungen und Risiken im Profisport mehr als berechtigt sind.

Deborah Jevans, Präsidentin des AELTC, argumentiert, dass die Einnahmen nicht der alleinige Maßstab seien. Die immensen Kosten, die durch Inflation und Investitionen entstanden sind, müssten ebenfalls berücksichtigt werden. Ein Großteil der Einnahmen fließt zudem an die britische Tennis-Föderation (LTA), die sie für die Förderung des Sports im Inland einsetzt. Ein komplexes System, das die Forderungen der Spieler noch komplizierter macht.

Die Wahrheit ist: Wimbledon generiert einen Umsatz von schätzungsweise 515 Millionen Euro pro Jahr. Das Preisgeld macht lediglich 14,4 Prozent davon aus – ein Wert, der 2015 sogar noch bei 14,9 Prozent lag. Die Diskrepanz zwischen Einnahmen und Auszahlungen wird immer deutlicher. Dennoch bleibt die Frage: Wie viel ist genug?

Die Spieler wollen nicht nur mehr Geld, sondern auch mehr Mitspracherecht. Ein „Welfare-Fonds“ und ein Rat mit Spielervertretern sind weitere Forderungen, die bisher ohne Reaktion geblieben sind. Der Kampf um eine gerechtere Verteilung der Gewinne geht weiter, und Wimbledon steht am Scheideweg.

Die Spieler haben ihre Position klar gemacht. Die Antwort des AELTC wird entscheidend sein. Denn eines ist sicher: Solange die Stars des Tennis sich nicht gehört fühlen, wird die Debatte um das Preisgeld nicht verstummen. Die kommenden Wochen und Monate werden zeigen, ob ein Kompromiss gefunden werden kann – oder ob die Protestaktionen eskalieren.