Wierer: „hamsterrad“ und der perfekte olympia-abschied

Dorothea Wierer hat einen Schlussstrich unter ihre beeindruckende Biathlon-Karriere gezogen – und das mit einem Gefühl der Erfüllung, das viele Athleten erst nach Jahren finden. Die gebürtige Italienerin beendete ihre Laufbahn nach den Olympischen Spielen in ihrer Heimat, nachdem sie sich in der letzten Saison überraschend wieder in Topform gebracht hatte. Ein emotionaler Rückblick im Podcast „Extrarunde“ offenbart die inneren Kämpfe und die Erkenntnis, dass das Hamsterrad des Leistungsports ihren Enthusiasmus fast ausgetrocknet hätte.

Die last der erwartungen und der weg zum neustart

Wierer, mehrfache Weltmeisterin und Gesamtweltcup-Siegerin, gestand, dass der Druck enorm war. „Im Nachhinein bin ich froh, dass ich trotzdem weitergemacht habe“, so die 36-Jährige. Es war eine Zeit, in der sie sich schon früh mit dem Gedanken an ein Karriereende auseinandersetzen musste. Der überraschende Sieg im Einzel in Östersund zum Saisonauftakt verdeutlichte jedoch, dass noch nicht alle Kapitel geschrieben waren. „Ich lag auf dem Sofa und dachte, ich schaffe das nicht…“, erinnert sich Wierer, „und dann ging es trotzdem irgendwie.“

Olympia als krönender abschluss – und die entscheidung gegen die finanzielle belohnung

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Die Olympischen Spiele im eigenen Land wurden zum perfekten Rahmen für Wierers abschied. Trotz realistischer Chancen auf die kleine Kristallkugel im Einzel und einer möglichen Prämie von 35.000 Euro entschied sie sich, ihren Plan, nach Olympia aufzuhören, konsequent umzusetzen. „Ehrlich gesagt bin ich zufrieden mit dem, was ich verdiene“, erklärte sie. Stattdessen genoss sie die Rennen in Kontiolahti, Otepää und Oslo, und vor allem die Möglichkeit, sich gemeinsam mit Franziska Preuß zu verabschieden. „Das war so cool“, schwärmt Wierer. „Ich denke gar nicht an die Resultate und Medaillen, sondern mehr an die Momente mit den Fans.“

Die Silbermedaille mit der Mixed-Staffel und die fünften Plätze im Einzel und Massenstart rundeten ein beeindruckendes Abschneiden ab. Doch für Wierer zählte letztendlich das Gesamtpaket, die Möglichkeit, die letzten Rennen im Kreise von Familie und Freunden zu erleben. Die Unterstützung der Fans aus aller Welt, die sie angefeuert haben, war mehr wert als jeder Titel oder jede Medaille.

Die letzten Jahre waren ein ständiges Jonglieren mit Terminen und Training. Ein Hamsterrad, aus dem es kaum einen Ausweg zu geben schien. Doch nun, da die Jahre vergangen sind, blickt Dorothea Wierer mit Stolz und Zufriedenheit auf eine Karriere zurück, die sie zu einer der größten Biathlon-Athletinnen aller Zeiten gemacht hat. Der perfekte abschied in ihrer Heimatstadt markiert das Ende einer Ära – und den Beginn eines neuen Kapitels im Leben der Ausnahme-Sportlerin.