Wiegert bangt um magdeburgs formkurve – das champions-league-ausweichspiel kommt gerade recht
Bennet Wiegert trägt diese Woche zwei Gesichter: Erleichterung und Sorge. Der SC Magdeburg darf das Achtelfinale der Champions League überspringen, spart sich zwei explosive Spiele. Gleichzeitig warnt der Trainer vor einem „unsichtbaren Leistungsloch“, das im März oder April zuschlagen könnte.
Paris-reise mit bonus statt bürde
Die 45 Pflichtspiele seiner Profis sind nur die Halbzeit. Dazu kommen Länderspiele, Reisen, Quarantäne-Fahrten – ein Cocktail, der schon jetzt die Kilometerzähler überzieht. „Wir fahren mit einem guten Gefühl nach Paris, seit klar ist, dass wir Heimrecht im Viertelfinale haben“, sagt Wiegert. Die 200 mitgereisten Fans sollen trotzdem einen Sieg sehen. Zweiter Platz in der Gruppe winkt, Barcelona ist ohnehin außer Reichweite.
Doch die Rechnung hat einen Haken: Magdeburg muss gewinnen, um vor dem deutschen Klassiker gegen den Bergischen HC keine Punkte zu verschenken. Wiegert schwieg beim Personal – „zwei, drei Spieler“ fallen aus –, doch er deutete an, dass die Belastungssteuerung zur Chefsache wird. „Wir haben gar nicht so viele Trainingseinheiten“, sagt er. Die Botschaft: Jede Minute auf dem Platz wird dosiert, als wäre sie ein Rohdiamant.

Die angst vor dem märz-loch
Was der 44-Jährige beschreibt, klingt nach einem klassischen Mid-Season-Crash: Die Beine werden schwer, die Reaktionszeiten länger, die Köpfe träger. „Das kann im März und April zu etwas führen, dass wir jetzt noch nicht sehen“, sagt Wiegert. Die Lösung: Paris vor der Länderspielpause auspowern, dann in Solingen Punkte einsammeln. Danach gibt es zwei Wochen Luft – ein Zeitfenster, das Magdeburg nutzen muss, um die Akkus wieder auf 100 Prozent zu bringen.
Wiegert hat schon vor Wochen alle möglichen Viertelfinal-Gegner durchdekliniert. Die Kombinationen explodierten ihm vor lauter Varianten. Jetzt nimmt er, „was kommt“. Keine Spielerei, sondern eine cleare Taktik: Wer sich zu früh verbiegt, bricht sich in der entscheidenden Phase das Genick.
Magdeburg ist Tabellenführer der Bundesliga, Titelverteidiger in Europa und trotzdem gehetzt. Die Maschine läuft auf Höchstdrehzahl, aber das Öl wird knapp. Wenn Wiegerts Jungs in Paris gewinnen, buchen sie nicht nur Punkte, sie kaufen sich Zeit. Und genau das kann im April der Unterschied zwischen Krise und Krimi sein.
