Wiede packt klartext: seine gründe für die nationalmannschaftspausen
Fabian Wiede, einst gefeierter Europameister und Olympia-Dritter, stand lange im Schatten – nicht nur aufgrund von Verletzungen. Der Berliner Linksaußen hat nun in einem Gespräch mit handball-world die wahren Hintergründe seiner Absagen von der Nationalmannschaft offenbart und ein Licht auf sein Verhältnis zu Bundestrainer Alfred Gislason geworfen. Eine Rückkehr in die DHB-Auswahl? Offen bleibt, ob der erfahrene Spieler noch einmal das Trikot tragen wird.
Familie vor allem anderen: ein neuanfang mit prioritäten
Wiede scheut keine Tabus. Er spricht offen über die schwierige Zeit nach der Geburt seines Sohnes und die dadurch verschobenen Prioritäten. "Für mich war Nationalmannschaft immer ein Riesending", betont er, "aber irgendwann kam die Familie dazu. Es gab einfach wichtigere Sachen im Leben, um die ich mich kümmern musste." Die ersten Jahre mit Frau und Kind waren herausfordernd, und Wiede entschied sich bewusst für das Familienleben. Ein Schritt, der von Außenstehenden oft missverstanden wurde: "Viele haben gesagt: 'Der will nicht Nationalmannschaft spielen'. Aber die haben vielleicht keine Familie oder wissen nicht, was dahinter steckt."

Kommunikationsprobleme und ein holpriger abschied
Doch nicht nur die familiäre Situation spielte eine Rolle bei Wiede’s Auszeiten. Auch die Kommunikation mit Bundestrainer Alfred Gislason war zeitweise belastet. Wiede räumt ein, dass er bei der WM 2023 offiziell eine Zahn-OP als Grund nannte, aber betont, dass dies nur ein Teil der Wahrheit war. "Ich wollte meine Familie nicht unter Druck setzen und habe die ganze Last auf mich genommen." Er gesteht ein, dass ihm dies möglicherweise ein Problem in der Beziehung zu Gislason beschert habe, da er den Eindruck hatte, ihm habe man übel genommen, nicht offener kommuniziert zu haben.
Zum Glück gab es ein klärendes Gespräch. "Wir haben uns ausgesprochen und wissen, woran wir aneinander sind“, so Wiede erleichtert. Er entschuldigte sich für seine fehlende Offenheit und betont, dass dieses Kapitel nun abgeschlossen sei.

Bereit für das comeback – aber ohne druck
Wiede macht deutlich, dass er die Unstimmigkeiten nachvollziehen kann. "Ich kann verstehen, dass er denkt: 'Okay, er hat jetzt zwei Turniere abgesagt.' Da hat er natürlich auch kein Vertrauen oder kein Verlass darauf und fragt sich: 'Ist er jetzt dabei oder nicht?'" Trotzdem ist der Berliner bereit, wieder für die Nationalmannschaft zu spielen. Nach seinem Kreuzbandriss gab es bereits Kontakt zu Gislason. "Ich hatte eine Woche vor meiner Verletzung ein Gespräch mit Alfred und habe ihm gesagt: Wenn Not am Mann ist, bin ich bereit einzuspringen."
Wiede betont, dass er sich nicht aufdrängen wird, sondern auf die Entscheidung des Bundestrainers warten wird. "Ich werde nicht sagen: 'Ich bin noch da'. Alfred wird die Entscheidung treffen, die er für richtig hält."
Die Zukunft bleibt offen, aber eines ist klar: Fabian Wiede hat den Ehrgeiz und die Erfahrung, im DHB-Team wieder eine wichtige Rolle zu spielen – sollte Gislason ihm die Chance geben. Die Handball-Fans dürfen gespannt sein, ob der Linkshänder bald wieder in der Nationalmannschaft anzutreffen ist.
