Wetzlar am abgrund: kann die geschichte sich wiederholen?
Die Luft in Wetzlar ist zum Schneiden dick. Nur noch ein Spiel, ein Endspiel gegen den deutschen Meister SC Magdeburg, trennt die HSG Wetzlar vom Abstieg aus der Handball-Bundesliga. Ein Szenario, das kaum jemand für möglich gehalten hätte, doch die jüngsten Ereignisse haben die Situation dramatisch verschärft.
Ein verpasster matchball und bittere sekunden
Der bittere Geschmack der Niederlage in Hamburg lastet schwer auf dem Team. Ein strittiger Torlinienentscheid, ein unglücklicher Patzer in der Schlussphase – Millimeter entscheiden über Schicksal und Zukunft. Der 32:33-Ausgang ließ nicht nur die Fans fassungslos zurück, sondern auch die Verantwortlichen. „Es könnte uns besser gehen“, kommentierte Geschäftsführer Michael Allendorf die Situation, während die Spieler versuchten, die Enttäuschung zu verarbeiten.
Die Szene mit Philipp Ahouansou, der in der 59. Minute in Überzahl den Ball aus der Hand verlieren ließ, ist symptomatisch für die nervliche Anspannung. Und dann noch der letzte Angriff, die hektische Suche nach dem richtigen Zuspiel, die vergebene Auszeit – ein Zusammenspiel aus Pech und Druck, das den Wetzlarern den entscheidenden Punkt kostete.

Die chance liegt in der vergangenheit – und in der arena
Doch es gibt Hoffnung. Ein Blick in die Vereinschronik zeigt, dass Wetzlar schon einmal in einer ähnlichen Situation stand. Vor 19 Jahren, ebenfalls am letzten Spieltag, stand die HSG gegen den starken SC Magdeburg vor dem Abgrund. Damals, wie heute, waren die Vorzeichen alles andere als rosig. Michael Allendorf, damals als Spieler dabei, erinnert sich: „Die Magdeburger Mannschaft war damals mit Stars gespickt. Wir waren krasser Außenseiter und mussten gewinnen.“
Und sie gewannen. Mit einem knappen 30:29-Erfolg sicherten sich die Wetzlarer die Klasse. Ein Erfolg, der nicht nur sportlich, sondern auch mental eine enorme Bedeutung hatte. „Jeder, der die Halle betritt, muss dran glauben“, mahnt Allendorf. „Keiner darf denken: Der große SCM kommt, das wird sowieso nix.“
Die kommenden Stunden werden entscheidend sein. Die Spieler müssen die mentale Stärke finden, die Fans müssen hinter dem Team stehen. Denn nur gemeinsam kann die HSG Wetzlar die Geschichte von vor 19 Jahren wiederholen und den Abstieg abwenden. Das Torverhältnis ist gut, der Gegner mag zwar der deutsche Meister sein, aber in der Handball-Arena Wetzlar ist alles möglich. Die Zeit der Selbstzweifel ist vorbei. Es gilt, zu kämpfen und zu glauben – an die Chance, an die Mannschaft, an die Fans. Denn am Sonntag geht es um alles.
