Werder-boss fritz kämpft mit hass im netz – und verteidigt thioune

Bremen – Clemens Fritz, der Sportchef von Werder Bremen, steht unter Druck. Nicht nur die sportliche Lage, sondern vor allem die anonymen Attacken im Netz belasten ihn zutiefst. In einem Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sprach Fritz offen über die Belastung durch die Kritik und verteidigte seine Entscheidung für Trainer Daniel Thioune.

Die wunde der vergangenheit: missverständnis im winter

Die vergangene Saison war für Werder Bremen turbulent. Ein vermeintliches Missverständnis bezüglich der Anzahl der Leihspieler führte zu einer öffentlichen Krise, die Fritz als „Gesicht der Krise“ zum Spießrutenlauf machte. „Es gab ein internes Missverständnis. Dann war das Thema in der Welt, und wir haben Fehler in der Kommunikation nach außen gemacht“, so Fritz. Die Situation wurde durch die sportliche Talfahrt des Teams zusätzlich verschärft. Doch Fritz betonte: „Wäre uns im Winter dadurch etwas weggebrochen an Möglichkeiten auf dem Transfermarkt, hätte ich die harte Kritik eingesteckt.“

Anonyme hetze im netz als tiefer einschnitt

Anonyme hetze im netz als tiefer einschnitt

Was Fritz jedoch besonders schmerzt, ist die anonyme Kritik im Internet. „Auf der Sachebene ist alles an Kritik okay. Doch sollte es niemals persönlich werden. Vor allem das Verstecken hinter Pseudonymen im Internet stört mich.“ Der Sportchef, der seit 20 Jahren bei Werder aktiv ist, zeigt sich sichtlich betroffen von der Heftigkeit der Angriffe. Er räumte ein, dass die negativen Kommentare ihn emotional erreichen: „Es macht was mit mir. Werder ist nicht irgendein Verein für mich; ich habe eine enge emotionale Bindung.“

Thioune-einsatz: eine wette, die sich auszahlt?

Thioune-einsatz: eine wette, die sich auszahlt?

Nach der Entlassung von Horst Steffen und einem holprigen Start unter Daniel Thioune scheint sich Bremen nun zu stabilisieren. Drei Siege aus den letzten vier Spielen geben Anlass zur Hoffnung. Fritz zeigt sich zwar nicht übermäßig euphorisch, sieht aber seine Entscheidung für Thioune bestätigt. „Bei Daniel hatte ich nach 45 Minuten das Gefühl, das ist er. Ich sehe jetzt, dass es nicht nur Gerede war. Er liefert gute Ansprachen, präsentiert den Spielern Lösungsansätze. Er arbeitet jeden Tag im Detail.“

Mit vier Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz vor dem Spiel gegen RB Leipzig am Samstag ist die Situation zwar entspannt, aber die Gefahr ist noch nicht gebannt. Die kommenden Spiele werden zeigen, ob Thioune tatsächlich der richtige Mann für Werder Bremen ist – und ob Fritz die Hasswellen im Netz überwinden kann, um sich auf seine Aufgabe zu konzentrieren.