Werder bremen kämpft ums überleben: verletzungschaos und harte gegner drohen
Sechs Spiele, ein Ziel: Werder Bremen muss in der Bundesliga ums nackte Überleben kämpfen. Das 1:2 gegen RB Leipzig war mehr als eine Niederlage – es war ein Warnschuss. Die Grün-Weißen schwanken zwischen Hoffnung und Verzweiflung, zwischen Klassenerhalt und Abstieg. Die Saison ist zum Albtraum geworden.
Verletzungsmisere zerreißt den kader
Amos Pieper musste gegen Leipzig erneut runter, nachdem er wegen des Ausfalls von Karim Coulibaly schon viel zu früh zurückgekehrt war. Kopf aufprallen, Schwindel, Auswechslung – das ist kein Einzelfall mehr. Mit Niklas Stark, Keke Topp und Mitchell Weiser fehlen drei Leistungsträger mit Kreuzbandriss oder Muskelfaserriss. Clemens Fritz spricht von der „extremsten Verletzungsserie der letzten Jahre“. Für Trainer Daniel Thioune bedeutet das: Improvisation statt Plan. Die Abwehr ist ein Flickenteppich, die Offensive harmlos.
Und dann ist da noch Victor Boniface. Der Leihspieler kam verletzt zurück, wurde trotzdem geholt – und liefert nun Stoff für Shitstorms. Fritz gibt Fehler zu, die Fans wittern Versagen auf höchster Ebene. Die digitale Petition gegen den Sportchef wurde zwar satzungswidrig, aber das Misstrauen bleibt.

Das restprogramm ist ein schreckenskalender
Nächste Woche geht’s nach Köln – direkter Konkurrent. Dann kommt der HSV zum Nordderby. Die Erinnerung an die 0:3-Pleite im Hinspiel brennt noch. Danach warten Stuttgart, Hoffenheim und Dortmund – alles Teams aus den oberen Regionen. Die Tabelle lügt nicht: Werder hat nur einen Punkt Vorsprung auf den Relegationsrang. Die Heidenheimer und Wolfsburger sind zwar abgeschlagen, aber das ist kein Trost. Es reicht, dass eine Serie nach unten reißt.

Die einzige waffe: die eigene jugend
Salim Musah traf gegen Leipzig. Patrice Covic war schon in Berlin erfolgreich. Beide sind 20 oder jünger, beide sind Bremer Jungs. „Unbekümmertheit“ nennt Fritz das. Vielleicht ist das der Schlüssel. Die Mannschaft steht trotz allem zusammen, Romano Schmid spricht von „Mut“, Fritz von „absoluter Überzeugung“. Es klingt wie Selbsttherapie, aber es ist alles, was bleibt.
Werder spielt nicht mehr gegen Gegner – Werder spielt gegen die Zeit. Gegen das eigene Lazarett. Gegen die Zweifel. In sechs Spielen entscheidet sich, ob die Weser-Stadt nächste Saison Erstliga-Fußball sieht oder ein Derby gegen Kiel. Die Faszination des Sports? Die liegt gerade im Grauen. Und das ist atemberaubend nah.
