Wenn die faust spricht: wie wejse & co. die playoffs entfachen
Christian Wejse spürt den Schmerz, lächelt aber trotzdem. Gerade hat ihn ein Schlagschuss am Knie getroffen, doch der dänische Stürmer der Fischtown Pinguins schreitet weiter in die Schlacht. In dieser Phase der DEL-Saison zählt nur eins: Durchkommen. Und das tut Wejse – mit 14 Treffern, 73 Strafminuten und einem Gesicht, das aussieht wie ein Patchwork aus Narben und Titanplatten.
Warum härte jetzt mehr zählt als tore
Während andere Spieler in den Playoffs nachlässig werden, schaltet Wejse einen Gang höher. „Er ist unser Wikinger“, sagt Manager Sebastian Furchner. Gemeint ist: Er nimmt jeden Check mit, gibt ihn aber auch doppelt zurück. Gegen Frankfurt schlug Wejse Maksim Matushkin nieder, nachdem dieser einen seiner Teamkameraden gefoult hatte. Drei Aufwärtshaken. Kein Referee konnte ihn aufhalten. Die Strafe: ein Spiel Sperre. Die Botschaft: Auge um Auge.
Doch Wejse ist kein Prügelknabe vom Fließband. Er trifft, wenn es drauf ankommt. Beim 3:2 in Nürnberg schoss er das 1:0. Das macht ihn zum prototypischen „Enforcer“ der neuen Schule: pöbeln, prügeln, punkten. Eine Spezies, die längst nicht mehr nur auf Blut aus ist, sondern auch auf Punkte.

Die faust als taktik – wie berlin und straubing mitspielen
In Berlin trägt Yannick Veilleux die Rolle des Kriegers. 15 Tore, 15 Vorlagen – und drei Faustkämpfe, die allesamt für Schlagzeilen sorgten. Gegen Mannheim checkte er Luke Esposito so brutal, dass dieser mit blutender Wunde ins Krankenhaus musste. Sechs Spiele Sperre. Doch auch das ist Teil des Plans: „Er setzt ein Zeichen“, sagt ein Teammanager aus dem Umfeld der Eisbären. „Die Gegner wissen: Wenn du zu weit gehst, kommt Veilleux.«
Selbst Straubing hat seinen „bad guy“. Wade Allison tritt auf wie ein Wrestler, spricht wie ein Prediger. „Physisch präsent“, wie es Vize-Kapitän Marcel Brandt nennt. Und physisch präsent ist auch Thomas Larkin in Schwenningen. 2021 musste er in Schweden wegen Körperverletzung vor Gericht. Der Gegner beendete seine Karriere. Larkin kam ohne Strafe davon. Heute ist er Kapitän. Die Liga hat gelernt: Wer hart ist, wird belohnt – sofern er trifft.
Die Trash-Talk-Flut nimmt zu. Torhüter werden beschimpft, Linienrichter angepöbelt. „Früher war das ein No-Go“, sagt Magenta-Experte Patrick Ehelechner. „Heute ist es Teil der Psychospielchen.“ Die Serie wird zur Schlammschlacht, jeder Zentimeter zum Krieg. Und genau darin liegt der Reiz: Nicht trotz, sondern wegen der Gewalt sind die Playoffs das, was sie sind – ein Spektakel, das sich nicht mehr nur um Tore dreht, sondern ums Überleben.
Wejse weiß das. Er hat seine Nasenspitze verloren, sein Ohr aufgeschlitzt, zwei Knochenbrüche kassiert. Und ist trotzdem wieder da. Warum? „Weil wir hier leben wollen“, sagt er. „Nur wer durchhält, wird am Ende stehen.« Die Frage ist nicht, ob noch jemand blutet. Die Frage ist: Wer blutet zuletzt?
