Wenger schlägt zurück: offensiv-fußball soll beine bekommen – testlauf in kanada
Arsène Wenger schaltet einen Gang höher. Der ehemalige Arsenal-Coach und heutige FIFA-Beauftragte für die globale Fußballentwicklung lässt seine umstrittene Abseits-Reform nicht im Papierkorb verschwinden. Ab März rollt der Ball unter Wengers neuen Regeln in der Canadian Premier League (CPL) – ein Monat lang, ein offenes Labor, das die Torquote nach oben schrauben soll.
Die „licht“-regel: nur noch kompletter körper vor dem verteidiger zählt
Im Kern geht es um Millimeter. Bisher gilt: Stand eine Körperpartei des Stürmers näher an der Torlinie als die des letzten Verteidigers, war er abseits. Wenger will das ändern. Künftig ist nur noch ein vollständig vorgelagerter Spieler strafbar. Reicht ein Zeh, ein Ellbogen, ein Hüftknochen noch ins Niveau des Gegners, ist alles legal – Tore sind programmiert.
Der Franzose rechnet offen mit dem Video-Assistenten. „Seit der Einführung des VAR verschwand der Vorteil für den Angreifer“, sagt er. „Wir haben die Beweise: Die Trefferquote sank, die Spielunterbrechungen nahmen zu.“ Die Zahlen sprechen für ihn. In Europas Topligen fiel 2023 die geringste Torquote seit 2015 – bei gleichzeitig längster Nachspielzeit der Geschichte.

Kanada als versuchskaninchen – ifab wartet mit endscheid
Die CPL ist kein Zufall. Die Liga gilt als offen für Innovationen, hat kaum internationale TV-Druckwellen und bietet echtes Spielmaterial aus Erst- und Zweitliga-Profis. Vom 2. März bis 6. April läuft der Test, dokumentiert von FIFA-Beobachtern. Ergebnisse fließen direkt ins Ifab-Treffen im März 2025, wo über eine weltweite Einführung entschieden wird.
Bisher stieß Wenger an die Uefa-Wand. Aleksander Čeferin lehnte das Konzept als „zu radikal“ ab, das IFAB stufte vor drei Jahren vergleichbare Jugend-Experimente in Italien und Schweden als „nicht vermittelbar“ ein. Doch der Druck wächst. Fernsehsender pochen auf spektakuläre Szenen, Fans buhen beim Tor-Geisterfahrer. Die FIFA sucht nach dem „Next big thing“ seit der Einführung des Golden Goal – und findet es möglicherweise im Abseits-Light.
Wenger selbst bleibt cool. „Wir haben 1990 schon einmal die Regel verschärft, weil zu wenig Tore fielen. Heute haben wir die Technik, aber keine Emotion. Mein Vorschlag bringt beides zurück.“
Die kanadischen Stürmer werden sich freuen. Die Abwehrspieler weniger. Wenn die Bälle im März durchs kanadische Eis pflügen, könnte der Torreigen beginnen – und die nächste Regelrevolution steht auf dem Rasen.
