Weltcup-finale lillehammer: weidle-winkelmann attackiert im riesenslalom - und das ohne netz

Kira Weidle-Winkelmann jagt in Lillehammer nicht nur die Speed-Kristallkugel - sie schmeißt sich erstmals in einen Riesenslalom. 520 Weltcup-Punkte eröffnen ihr das Startrecht in allen Disziplinen. Der Haken: Die 30-Jährige fuhr bisher keinen einzigen Riesenslauf auf höchstem Niveau.

Die regel, die alles möglich macht

Die 500-Punkte-Klausel ist der Schlüssel. Wer diese Marke knackt, darf beim Finale in jeder Disziplin starten - unabhängig von der Spezialwertung. Weidle-Winkelmann kratzte mit 520 Zählern genau an dieser Schwelle. Konkret bedeutet das: Sie steht Samstag in der Startliste zwischen Mikaela Shiffrin und Julia Scheib, obwohl ihre letzte Riesenslalom-Erfahrung auf dem Ausscheiden bei der WM 2023 endete.

Deutschland schickt mit Emma Aicher und Lena Dürr zwei weitere Karten. Aicher ist die heimliche Hoffnung auf Edelmetall, Dürr peilt nach Top-Ten-Platzierungen in Are ein weiteres Ausrufezeichen an. Das Trio könnte für die größte deutsche Riesenslalom-Überrasnung seit 2015 sorgen - damals landete Viktoria Rebensburg auf dem Podest.

Warum das risiko gerade jetzt sinn macht

Warum das risiko gerade jetzt sinn macht

Weidle-Winkelmann spielt Poker. Die Speed-Saison ist gelaufen, die nächste beginnt in sechs Monaten. Ein gutes Riesenslalom-Resultat würde nicht nur Selbstvertrauen tanken, sondern auch wertvolte Startrecht-Punkte für die kommende Saison sammeln. DSV-Trainer verrieten dem TV-Kollegen Eurosport, dass sie ihre Kurventechnik in den vergangenen Wochen intensiv auf Slalomski verfeinert habe.

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: In ihrer bisherigen Karriere fuhr die Starnbergerin 84 Weltcup-Rennen - ausschließlich in Abfahrt und Super-G. Die Streuung ihrer Speed-Ergebnisse in diesem Winter (Plätze 6, 4, 7, 11, 3) zeigt, dass sie technisch auf höchstem Niveau agiert. Ob das auf Riesenslalom reicht, bleibt offen.

Die konkurrenz schläft nicht

Die konkurrenz schläft nicht

Mikaela Shiffrin benötigt nur noch 80 Punkte zum Gesamtsieg. Julia Scheib feierte in Are ihren zweiten Saisonsieg und attackiert Shiffrin im Kampf um die kleine Kristallkugel. Dahinter lauern Tessa Worley, Petra Vlhova und die Schweizer Überfliegerin Lara Gut-Behrami. Für Weidle-Winkelmann heißt es: Unter die Top-30 kommen, schon wäre ein Erfolg.

Startnummer 39 trägt sie im ersten Durchgang. Das bedeutet: Sie sieht die Spur der Favoritinnen, muss aber mit späteren Bedingungen leben. Der Hafjell gilt als technisch anspruchsvoll, die Steilpassage nach 35 Sekunden entscheidet oft über Sieg und Niederlage. Wer hier zu spät drückt, verliert 0,5 Sekunden - das kann über Platz 15 oder 45 entscheiden.

Um 09.30 Uhr geht's los. Dann zeigt sich, ob die Speed-Queen auch eine Riesenslalom-Rentnerin werden kann. Die Quote der Wettanbieter spricht Bände: 251,0 - das ist das höchste Risiko im Starterfeld. Aber genau das macht die Geschichte aus.