Weiss läutet revolutionssturm aus: euroleague oder nationalteam – bald nur noch eins!
91:89 nach Verlängerung, 15.000 in der Arena – und trotzdem nagt der Verbandschef an der Zukunft des Spiels. Ingo Weiss wartet nicht auf den Flaggenschwenker, er schlägt gleich die ganze Fahne um.
„Wie soll ich es einem Fan erklären, dass 24 Stunden vor dem wichtigsten Match des Jahres Bayern München in Madrid aufläuft?“ Die Frage knallt durch die Mixed Zone wie ein Backcourt-Pass in die Pressetribühne. Was folgt, ist kein Lamento, sondern ein Machtwort.
Die euroleague liefert – aber eben nicht für deutschland
Andreas Obst, Oscar da Silva, Daniel Theis, Isaac Bonga: vier Namen, die in der Starting Five stehen könnten, aber nicht mal im Kader stehen. Stattdessen jubelt Weiss über das glückliche 91:89, weiß aber: Glück reicht nicht, wenn der Terminkalender K.-o.-Spiele verursacht. Die Ursache liegt offen zutage: Während die BBL brav die Reißleine zieht, rotiert die Euroleage munter weiter. Keine Abstellungspflicht, kein gemeinsames Fenster, keine Sanktion – und damit kein Plan B für Bundestrainer Gordon Herbert.
Weiss’ Rechnung ist einfach: 34 Hauptrunden-Spiele plus Play-offs, dazu 2027/28 die NBA Europe mit mindestens 18 Klubs. „Dann haben wir 70 Partien auf höchstem Niveau für deutsche Top-Spieler. Das geht körperlich und logistisch nicht“, sagt er und schiebt die Schuld nicht nach Istanbul oder Barcelona, sondern direkt nach New York.

Die nba europe soll die euroleague schlucken – und zwar ganz
Weiss spricht von einer „gesunden Fusion“, die nach seiner Prognose spätestens 2030 fällig ist. Dann soll es eine gemeinsame Champions League geben – mit Auf- und Abstieg, also mit jenem Strukturreiz, den die Euroleague seit Jahren vor sich herschiebt. Alba-Berlin-Geschäftsführer Marco Baldi pflichtet ihm bei: „Kooperation mit FIBA oder Konkurrenz durch FIBA, beides ist besser als das heutige Patt.“
Die ULEB wehrte sich jahrelang gegen jede Forderung nach Freigabeterminen. Nun droht ihr das Schicksal, selbst zur Freigabe gezwungen zu werden – von der NBA. Denn wenn die US-Liga 2027 mit einem TV-Volumen von geschätzten 250 Millionen Euro pro Saison nach Europa kommt, wird der Markt zweigeteilt. Sponsoren wählen, Sender wählen, Fans wählen. Die Euroleague bekäme den Status einer Vorsaison, nicht mehr.
Die Zahlen sprechen für Weiss: In den letzten beiden Quali-Fenstern fehlten 17 Euroleague-Akteure der deutschen Auswahl. Die Rotation wurde zusammengestückelt, der Chemie-Virus ging trotz Sieg mit. „Wir gewinnen gegen Kroatien, aber wir verlieren die nächste Generation, wenn sie nur noch Dienstags in München und Donnerstags in Madrid spielt“, warnt Weiss.
Der countdown läuft – und deutschland steht mit alba an der spitze
Alba Berlin ist laut Weiss „fix dabei“, Bayern München „sehr wahrscheinlich“. Die Bundesliga würde zur Farm-Liga – mit allem Luxus und aller Gefahr. Doch Weiss sieht darin keine Abwanderung, sondern eine Chance: „Wenn deutsche Klubs in der NBA Europe spielen, haben wir Spieler mit 40 Top-Level-Partien im Jahr, die trotzdem für die Nationalmannschaft bereitstehen, weil die Struktur endlich passt.“
Die Konsequenz: Die Euroleague muss den Spielplan „entzerren“, wie er es nennt – oder sie wird entzerrt. Die NBA Europe braucht keine 20 Teams, sie braucht 12 starke Standorte und ein klares Regelwerk. Die Fans bekommen, was sie in Barcelona schon erleben: ein Wochenende in der Euroleague, ein Wochenende in der Liga, ein Nationalmannschaftsfenster ohne Konkurrenz. Klingt nach Wunschdenken, ist aber längst Businessplan.
Die Zeit drängt. Die TV-Verträge der Euroleague laufen 2026 aus, die NBA verhandelt bereits mit Streaming-Plattformen über exklusive Rechte für Europa. Wer zuerst unterschreibt, bestimmt den Kalender der 2030er-Jahre. Weiss will, dass Deutschland nicht nur zuschaut, sondern mitmischt – auf und neben dem Parkett.
Am Ende bleibt ein Satz im Raum stehen, der keine Frage offenlässt: „Wenn die Amerikaner etwas machen, dann machen sie es richtig – und sie machen es komplett.“ Die Uhr tickt. Die Euroleague hat zwei Jahre, sich zu bewegen. Sonst bewegt sie die NBA – und zwar vom Markt.
