Weißenfels schreibt offenen brief: 13 pleiten und trotzdem attacke klassenerhalt
13 Niederlagen in Serie, die BBL-Tabelle zeigt Rot, und trotzdem schmettert Martin Geissler den Begriff »Attacke Klassenerhalt« durch die Stadthalle. Der Geschäftsführer des SYNTAINICS MBC hat sich in einem offenen Brief an Fans, Sponsoren und Partner gewandt – und die Krise zum Kampf erklärt.
»Diese situation geht uns allen nah. sie tut weh.«
So beginnt das Schreiben, das am Montagabend verschickt wurde. Geissler spricht von DNA, von kleinem Budget, von zwei Jahrzehnten Abstiegsendspielen. Die Wölfe aus Weißenfels haben sich darin geübt, am Abgrund zu balancen. Doch diesmal droht der Selbstläufer: Elf Spiele sind noch zu spielen, die Serie ist länger als jedes Wintertraining.
Intern herrscht seit Wochen Dauerbeben. Trainerwechsel, Kader-Rochaden, Management-Umbruch – alles innerhalb von 49 Tagen. Die Folge: kein Sieg seit dem 19. November 2023. Die Konsequenz: Geissler schreibt, statt zu telefonieren. Der Brief liest sich wie ein Kampfplan statt wie eine Entschuldigung.

Enbl als rettungsanker vor dem bundesliga-fegefeuer
Am Mittwoch kommt BK Olomoucko in die Stadthalle. Der tschechische Klub ist kein Gegner, er ist ein Geschenk. In der ENBL-Hauptrunde holte der MBC sieben Siege aus acht Spielen, Spencer Reaves wurde zum MVP gewählt. »Die internationale Bühne ist unsere Chance, Selbstvertrauen zu tanken«, sagt Geissler. Was er nicht schreibt: Ein Ausscheiden würde den freien Fall beschleunigen.
Die Fans sollen die Halle zum Kessel machen, die Sponsoren sollen nicht wegsehen. »Lasst uns nicht gegeneinander diskutieren, lasst uns füreinander einstehen«, fordert Geissler. Die Pointe kommt am Ende: »Attacke Klassenerhalt. Jetzt. Zusammen. Gemeinsam.« Ein Satz, der sich brüllt, nicht flüstert.
Die Wahrheit steht in der Tabelle: 2-17-Bilanz, 16 Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz. Die Wahrheit steht aber auch in der Chronik: 2004, 2009, 2014 – Weißenfels schaffte den Klassenerhalt immer dann, wenn die Lage aussichtslos schien. Die nächste Chance kommt am Samstag in Ulm. Danach folgen Bayern München und Bonn. Elf Endspiele. Kein Spieler wird gefragt, ob er Bock hat. Er wird gefragt, ob er Beine hat.
