Wehen dreht 100-jahr-feier in sekunden-sensation
Ein Schlusspunkt, der das 100-Jahr-Komplott perfekt machte: SV Wehen Wiesbaden besiegt FC Ingolstadt in der fünften Minute der Nachspielzeit mit 2:1 – und die BRITA-Arena bebt, als hätte sie selbst Geburtstag.
Die schleife zum jubiläum war ein fallrückzieher des glücks
Was war passiert? Ingolstadt lag nach Fredrik Carlsens Roter Karte (73.) plötzlich mit einem Mann weniger auf dem Feld, doch statt das Spiel zu killen, verlor Wiesbaden kurz den Faden. Die Schanzer glichen durch Maximilian Wolfram aus (88.), und plötzlich roch die Favoritenrolle nach Altbier, das zu lange stand.
Dann die Szene, die am Montag noch in jeder Kneipe zwischen Biebrich und Taunusstein rauf- und runtererzählt wird: Florian Hübner eröffnet die letzte Ecke, spurtet, sieht, dass niemand mitläuft, chippt quer – und Tarik Gözüsirin nimmt die Kugel mit der Innenseite so klar, als hätte er sie vorher ausgepoliert. 2:1, Abpfiff, goldene Konfetti-Fontäne.

Gözüsirin trifft – und schiebt sich in den mythos
Für Gözüsirin war es das vierte Saisontor, für die Mannschaft der dritte Dreier in Serie. Trainer Daniel Scherning atmete tief durch: „Wir haben bis zum Ende geglaubt, sonst stehst du hier mit leeren Händen und musst erklären, warum du eine Überzahl verschenkt hast.“
Die Statistik lügt nicht: Vor der Ampelkarte dominierte Wiesbaden mit 68 % Ballbesitz, danach nur noch 49 %. Die Nerven lagen blank, doch die Moral hielt. Scherning: „Rot gegen den Gegner kann dich ausschalten, wenn du nur auf Sicherheit spielst. Wir haben uns wieder rausgetraut.“
Die Fans feierten nicht nur das Tor, sondern auch die Fortsetzung einer Freundschaft: Ingolstadt-Anhänger hatten ein „Sportverein aus Taunusstein“-Banner mitgebracht, die Ultras aus Wiesbaden antworteten mit Pyro und gemeinsamem Chor auf „Hey, das geht ab!“. Party bis in die Nacht, Polizei ließ die Lautsprecher laufen.

Nächster halt: saarbrücken – ohne helden, aber mit glückstricot
Mittwoch geht’s weiter beim 1. FC Saarbrücken. Gözüsirin und Moritz Flotho fehlen gelbgesperrt, dafür kehrt Lukas Schleimer zurück – sein Solo zum 1:0 war bereits jetzt Tor-des-Monats-Kandidat. Scherning will die goldverzierten Jubiläumstrikots mitnehmen: „Wir beantragen beim DFB, dass wir sie behalten dürfen. Sie sind schön – und sie bringen offensichtlich Glück.“
Die Tabelle spiegelt den Glanz wider: Wiesbaden springt auf Platz fünf, nur zwei Punkte hinter dem Aufstiegsrang. Der Club aus der Landeshauptstadt träumt laut, und das ist im März erlaubt. Denn wer sein eigenes Jahrhundert mit einem Last-Minute-Kracher eröffnet, darf ruhig auch an das nächste denken.
