Warum die gen-x-chefs den deutschen sport retten

Sie sitzen in den Vorstandsetagen der Bundesligaklubs, leiten DFB-Projekte und steuern olympische Stützpunkte – doch kaum jemand feiert sie. Die Generation X, jene zwischen 1965 und 1980 Geborenen, hält 54 Prozent aller Führungsjobs im deutschen Sport. Trotzdem redet jeder über TikTok-Gen Z und Millennial-Apps, während die 42- bis 57-Jährigen als „Digitale Gastarbeiter“ abgetan werden. Ein Irrtum, der uns alle teuer zu stehen kommen könnte.

Warum der sport sie braucht – und sie den sport

Warum der sport sie braucht – und sie den sport

Der Begriff „Sandwich-Generation“ passt wie ein Trikot zwei Nummern zu klein. Sie haben das Handschreiben gegen Excel getauscht, Fax gegen WhatsApp, Karte gegen GPS – ohne jede Weiterbildungspflicht. Das macht sie zu Hybriden: analogen Charme mit Cloud-Know-how. Genau deshalb laufen in Leipzig, Frankfurt und München ihre Systeme. Ohne sie stünde die 3. Liga still, weil keiner mehr die alte Kasse bedient, und keiner die neue.

Dabei litten sie am längsten unter prekären Bedingungen. Als sie anfingen, gab es weder Milliarden-TV-Verträge noch Mental-Coaches. Dafür gab es Klubs, die pleite waren, und Trainer, die mit der Prinzipal-Raute auf der Tribüne standen. Sie lernten, sich durchzubeißen. Wer heute mit ihnen arbeitet, spürt: Vertragsgespräche enden nicht bei Instagram-Story, sondern beim Handschlag – und der gilt noch am nächsten Tag.

Die große Ironie: Gen X wird ignoriert, weil sie nicht laut protzt. Keine Hashtags, keine Launch-Events. Stattdessen retten sie den Amateurbetrieb vor der Insolvenz, organisieren Jugendturniere mit 300 Kids und kriegen dafür höchstens einen Ordner voll Rechnungen. Die Loyalität ist ihr Kapital – und wird zum Handicap, wenn Headhunter nur nach „disruptiven“ Profilen googeln.

Der nächste Skandal sitzt schon in der Startlöchern: In fünf Jahren gehen 70 Prozent der Sportverband-Geschäftsführer in Rente. Die Nachfolge ist offen, doch die Personalentscheider schielen auf 30-jährige Techies. Dabei wäre die Lösung einfach: Gen X weiterbilden, statt sie auszusortieren. Denn wer einst den C64 aus dem Keller holte, um Spielpläne zu berechnen, schafft auch KI-gestützte Kaderanalyse.

Die Zahlen sind eindeutig: Laut Deutschem Olympischem Sportbund kosten Neu-Einstellungen auf Führungsebene durchschnittlich 120.000 Euro pro Posten – inklusive Scheitern. Eine interne Beförderung der eigenen Gen-X-Kräfte kostet 8.000 Euro Weiterbildung und halbiert das Ausfallrisiko. Wer sparen will, muss alt werden lassen.

Also, liebe Verbände: Hört auf, Euren wertvollsten Spieler über die Außenlinie zu jubeln. Gebt ihnen stattdessen den Captains-Patch – und die Jugend wird folgen, weil sie endlich wieder Vorbilder sieht, die nicht nur Follower zählen, sondern auch Tore.