Wanner schlägt deutschland aus und jagt österreichs wm-traum

Paul Wanner wird nie mehr in Schwarz-Rot-Gold auflaufen. Der 20-Jährige hat sich für Österreich entschieden und verpasst damit nicht nur der deutschen U21 einen Schlag ins Kontor, sondern katapultiert sich selbst in Ralf Rangnicks WM-Kader für Katar.

Di salvo mag es nicht, aber er kapiert's

Antonio Di Salvo funkelt vor die Mannschaftsbürotür, zieht die Kappe tiefer. „Ich finde das weiterhin schade“, sagt er und klingt wie ein Coach, der gerade seinen besten Spieler an den Nachbarn verloren hat. Denn Wanner war kein beliebiger Jongleur im deutschen Talentpool – er war der Jungspund, der im Oktober noch als Hoffnungsträger durch die Länderspielpause tingelte. Jetzt trägt er weiß-rote Streifen und kann mit etwas Glück schon im November gegen Brasilien ran.

Der Schalker Jahrgang 2006 hatte die Entscheidung lange vor sich hergeschoben. Bayern-DNA, deutscher Nachwuchs, Medienrummel – alles schrie nach DFB. Doch die Mutter stammt aus Wien, die Einladung aus dem Alpenland wurde zur wiederkehrende WhatsApp-Nachricht. Als Rangnick Anfang März anrief und die Tür zur WM aufstieß, war der Deal perfekt. „Schwerste Entscheidung meiner Karriere“, postete Wanner, nachdem er die Unterschrift geleistet hatte.

Psv-transfer half über die ziellinie

Psv-transfer half über die ziellinie

Der Wechsel zu PSV Eindhoven im Sommer war der zweite Hebel. In Eindhoven bekommt Wanner Spielzeit, in München war er nur Rohdiamant mit Ehrenrunde. Di Salvo sieht das, nickt, verzieht keine Miene. „Wenn ein Spieler den Verband wechseln will, weil das sein Weg ist, dann akzeptiere ich das.“ Der Satz klingt professionell, doch die Körpersprache verrät Frust. Er hatte Wanner für die U21-Europameisterschaft 2025 eingeplant – ein Turnier, auf das der DFB sich mit dem neuen Talentjahr zuletzt kräftig eingeschossen hat.

Österreichs Gewinn ist Deutschlands Verlust. Mit Wanner erhält das Römer-Team einen flexiblen Offensivspieler, der sich im Zehneraum genauso wohlfühlt wie auf der halblinken Bahn. Rangnick lobte ihn als „intelligenten Ballverteiler mit Torabschluss“. In der Qualifikation fehlt Österreich nur noch ein Punkt zum sicheren Ticket – und Wanner könnte genau der Joker sein, der in den letzten Minuten gegen die Favoriten den Unterschied macht.

Für Deutschland bleibt ein Loch. Di Salvo muss umplanen, wieder ein Jungstar weg. Die Devise lautet: Nächster Mann, nächste Niederlage im Poker um Dual-citizen-Talente. Die Konkurrenz schläft nicht, die Welt wird kleiner – und die WM 2026 rückt näher. Wer zögert, verliert. Wanner hat es verstanden, Deutschland trägt den Schmerz.