Wallypower50x: mit 100 km/h über die wasserfläche von miami
14 Meter Carbon, vier 500-PS-Außenbordmonster und keine einzige Bullauge: Der neue Wallypower50X riss auf dem Miami Boat Show den Ankerplatz der Diskussionen an sich – und das mit 54 Knoten Spitze, knapp unter der 100-km/h-Marke.
Luca bassanis erbe trifft mercury racing
Ferretti Group hat die Marke Wally zwar erst 2023 geschluckt, lässt sie jetzt aber mit dem Schlag ihrer eigenen DNA auflaufen. StattIPS-Antrieben im Schott bringen vier Mercury Verado V10 mit je 425 PS oder – wer es wirklich braucht – vier Racing-V8 mit 500 PS den 12,9-Tonnen-Rumpf auf Plane. Die Folge: 0 auf 50 Knoten in unter zehn Sekunden, bei 34 Knoten Reisegang verbraucht das Boot noch 3,8 Liter pro Seemeile – ein Wert, den man von 40-Foot-Sportbooten sonst nur in Broschüren findet.
Die formale Revolution bleibt trotz Outboards erhalten. Die vertikale Bogenbordspitze, das knapp über dem Wasser liegende Fensterband und der komplett versenkbare Ankerkasten lassen den 50X wie einen aufgekanteten Stealth-Kreuzer wirken. Bullaugen? Fehlanzeige. Stattdessen zwei 4K-Kameras mit Gimbal-Stabilisator, die das Außenbild in Echtzeit auf zwei 55-Zoll-Screens im Salon spiegeln – Magic Portholes nennt Wally das. Kein Salzwasser an den Scheiben, kein Kratzer beim Rückwärtslegen in Saint-Tropez.
Poppt das heck auf – und wird zum beach-club
Die versenkbaren Heckwände erweitern die Achterdeck-Fläche um fünf Quadratmeter. Unter der Glasdach-Konstruktion finden acht Gäste am Tisch Platz, während sich an Backbord und Steuerbord zwei Sonnenliegen elektrisch aus dem Boden heben. Unter Deck wartet ein vollständig offenes Layout: Lounge vorn, Kingsize-Bett achtern, separates Bad mit XXL-Dusche – alles in hellem Eichenfurnier und mit indirekter LED-Beleuchtung, die bei Nacht das Carbon durchscheinen lässt.
Der Rumpf entstand im Ferretti-Advanced-Modelling-Tank in Ancona. 18 Grad Totwinkel, 24 Grad Halbwinkel und ein LCG bei 42 % Länge sorgen für Lateralstabilität, die man sonst nur von 60-Foot-RIBs kennt. Bei 50 Knoten bleibt der Steuerstand trocken – Testfahrer sprachen von „Sprühnebel fast nur unterhalb der Ellbogen“. Das Boot ist damit nicht nur Spielzeug für Oligharchen, sondern auch als Chase-Boot für Maxi-Yacht-Regatten zugelassen – ein Markt, der laut International Maxi Association 2024 um 23 % wuchs.
Preis? Ferretti nennt ihn nicht. Wer aber vier Mercury Racing-V8 ordert, muss mit einer Zusatzrechnung von rund 400.000 Euro allein für die Motoren rechnen. Die erste Einheit ist bereits an einen Schweizer Software-Unternehmer verkauft, der sie als Tender für seine 42-Meter-Abeking-&-Rasmussen positionieren wird. Auslieferung: Juni 2024, Nizza. Dort will er sie dann – bei 50 Knoten – an der Quai-Grenze vorbeiziehen. Die Hafenkapitäne sind bereits informiert.
