Wagner prügelt tropmann bewusstlos – play-off-krimi entgleist vollends
Fabio Wagner schmetterte Edwin Tropmann mit einem Check gegen den Kopf aufs Eis, kurz bevor die Schlusssirene im Audi-Sportpark ertönte. Der 20-jährige Ingolstädter lag bewusstlos, der puckführende Verteidiger von Red Bull München flog vorzeitig unter die Dusche – und die DEL-Play-offs rutschen in eine Dimension, in der Sport nur noch Kulisse ist.
Die Szene: 57.20 Minuten gespielt, ERC führt 7:2, die Partie längst entschieden. Wagner nimmt Anlauf an der blauen Linie, zielt nicht auf die Scheibe, sondern direkt auf Tropmanns Helm. Aufprall. Helm ab. Stille. Dann das Bild, das sich in Sekundenbruchteilen im Kopf der 8.034 Zuschauer festbrennt: Tropmann reglos, das Bein leicht zuckend, Blut auf dem Eis.
Die Diagnose: Kopf- und Nackenverletzung, stationäre Beobachtung in der Ingolstädter Klinik. Noch in der Nacht postete Tropmann von der Krankenstation ein Foto, das ihn mit Halskrause zeigt – Daumen hoch, Lächeln trotz Schmerz. „Ich geb' mein Bestes, schnell wieder fit zu werden“, schrieb er. Der Kommentar von Teamkollege Justin Feser: „Wir holen dir den Sieg, geh nur auf dich.“

Wagner zuckt zurück – aber zu spät
Am Mittwochmorgen dann Wagners Instagram-Video. 43 Sekunden, keine Fragerunde. Er spricht leise, Blick in die Kamera. „Es tut mir aufrichtig leid. Es war ein Fehler von mir, ich trage die volle Verantwortung.“ Die Worte klingen echt, aber sie ändern nichts am Fakt, dass seine Aktion dem Spiel den Gnadenstoß gab. Die Schiedsrichter hatten bereits 155 Strafminuten verteilt, 125 davon gegen München. Nach dem Foul warfen sie den Puck einfach aufs Eis und ließen die Uhr ablaufen – ein Vorgehen, das es so in der DEL-Geschichte noch nicht gab.
ERC-Sportdirektor Franz Kalla fordert Konsequenzen: „Wir erwarten ein mehrspieliges Sperre, alles andere wäre ein Schlag ins Gesicht des Verletzten.“ München-Coach Don Jackson schaltete sich ebenfalls ein, allerdings mit einem Seitenhieb: „Wir haben gesehen, was passiert, wenn Emotionen die Oberhand gewinnen. Aber wir werden nicht den Sündenbock suchen.“
Die Serie steht 2:2, Spiel fünf am Donnerstag in der SAP Arena. München muss auf Wagner verzichten, Tropmann wird fehlen – und die Liga fragt sich, wie viel Gewalt sie noch duldet, bevor das Interesse an Fair Play endgültig erlahmt. Die Antwort liegt nicht in Wagners Video, sondern in den Entscheidungen der Disziplinarkommission. Die kommt am Freitag – und wird wohl den Ton für den Rest der Play-offs vorgeben.
