Vor drei jahren starb hans richter – der stürmer, der lok leipzig bis ins endspiel schoss

Am 25. März 2023 erlosch das Leben von Hans Richter mit nur 63 Jahren – einem der letzten Helden vom 13. Mai 1987, dem Tag, an dem der 1. FC Lok Leipzig als einzige DDR-Mannschaft ein europäisches Endspiel erreichte. Fast 36 Jahre nach dem 0:1 gegen Ajax Amsterdam ringt der Verein und die Fußball-Ostdeutschlands immer noch mit diesem Nachmittag in Athen – und mit dem plötzlichen Verschwinden jener Spieler, die ihn möglich machten.

Das finale von athen war sein letzter auftrick im lok-trikot

Richter war nicht einfach nur Mittelstürmer. Er war der Spieler, den die DDR-Funktionäre 1983 per Dauerbrenner-Befehl nach Leipzig lotsen, damit der Europapokalteilnehmer endlich Torgefahr besaß. Der Transfer funktionierte auf Anhieb: Fünf Treffer in den ersten drei UEFA-Cup-Partien, Siegtreffer gegen Werder Bremen, Platz in der Traumelf. Drei Jahre später schraubte er dieselbe Mannschaft ins Finale des Pokalsieger-Wettbewerbs. 73 000 Zuschauer im Zentralstadion schrien sich heiser, als René Müller im Halbfinale gegen Bordeaux zweimal hielt und selbst den letzten Elfmeter versenkte. Die Reise nach Griechenland schien der logische Höhepunkt einer Karriere, die im Erzgebirge begann und über Chemnitz nach Leipzig führte.

Doch Marco van Basten zerstörte den Mythos mit einem Schlag aus 16 Metern. Die Leipziger Antwort blieb aus, Richter verpasste die einzige Großchance kurz vor der Pause. „Wir waren nah dran, aber nah reicht eben nicht“, sagte er später. Im Sommer kehrte er zu seinem Stammklub zurück, zwei Jahre später stand er vor der Botschaft in Prag und flüchtete in die Bundesrepublik – ein halbes Jahr vor dem Mauerfall. Sportlich war die Karriere vorbei, mental schon lange.

Erst im ruhestand fand er zurück zu den kameraden von einst

Erst im ruhestand fand er zurück zu den kameraden von einst

Die Jahre in Hessen verliefen still. Richter jobbte am Frankfurter Flughafen, spielte auf Kreisebene, zog den Sohn Joel groß, der ebenfalls Fußballer wurde. Die Lok-Kollegen? Fehlanzeige. Erst 2022, im Mai, nach der Pensionierung, fuhr er wieder nach Leipzig. Das Hotel am Augustusplatz war gebucht, die gesamte Finalelf versammelt – erstmals seit dem Abflug nach Athen. Thomale, Müller, Marschall, all die Namen, die einst Zeitungsseiten füllten, standen plötzlich neben ihm. Fotografen hielten Tränen fest, kein Sponsor, keine PR-Agentur, nur der Wunsch, sich noch einmal zu sehen, bevor es zu spät ist.

Zu spät war es dann doch. Nur wenige Monate später diagnostizierten die Ärzte eine unheilbare Krankheit. Der Tod trat rasch ein, die Nachricht schlug ein wie der Van-Basten-Schlag von damals. „Ein feiner Mensch“, sagte Hans-Ulrich Thomale. Die restliche Elf trauert bis heute in WhatsApp-Gruppen und Briefen. Der 1. FC Lok spielt inzwischen in der Regionalliga, die europäische Spitze ist weit weg. Doch wer das alte Zentralstadion betritt, findet noch immer das Foto von 1987: Hans Richter mit erhobener Faust, Sekunden nach dem Sieg gegen Bordeaux. Ein Bild, das er selbst nie aus der Hand legte – bis vor drei Jahren.