Vonn kämpft sich nach horror-sturz zurück – 25 tage später trainiert sie schon wieder
Lindsey Vonn hat sich noch nicht einmal aus dem Rollstuhl erhoben, da stemmt sie schon Gewichte. 25 Tage nach dem Sturz, der ihr linkes Schienbein in zwei Operationen zerfetzte, postet die 41-Jährige ein Video, das die Ski-Welt zum Schweigen bringt. Man sieht sie, wie sie aus dem Stuhl aufsteht – nicht elegant, aber aufrecht. Dann geht's ans Gerät. Schultern, Bauch, das verletzte Bein. Keine Simulation, kein PR-Trick. Reales Training.
Das kompartmentsyndrom hätte das bein kosten können
Was in Mailand passierte, war kein gewöhnlicher Sturz. Vonn rutschte nach 13 Sekunden in die Netze, das Bein blähte sich durch ein Kompartmentsyndrom innerhalb von Minuten auf. „Der Druck zerquetscht alles – Muskeln, Nerven, Sehnen“, sagt sie. Dr. Tom Hackett musste beide Seiten des Unterschenkels aufschlitzen, um das Gewebe zu retten. Amputation? Stand zur Debatte. Fünf Operationen später beginnt der nächste Kampf.
Vonns Alltag ist jetzt ein Kalender voller Termine mit Physiotherapeuten und Schmerzskalen. Sie trainiert zweimal täglich, reduzierte das Morphin bereits um 60 %. Die Knochen brauchen laut Ärzten ein Jahr, bis sie belastbar sind. Vonn gibt sich sechs Monate. „Ein Tag nach dem anderen“ lautet ihre Devise – ein Satz, der auf Instagram über 400 000 Likes einsammelte.

Die skiläuferin wird zur testperson für neue implantate
Was kaum jemand mitbekam: Vonn arbeitet mit einem kalifornischen Medizintech-Unternehmen zusammen, das auf Titan-Stab-Verbinder spezialisiert ist. Ihre Daten fließen in eine Studie, die künftige Beinverletzungen bei Wintersportlern verkürzen soll. Die Gegenleistung: exklusiver Zugang zu Prototypen, die sonst nur Militärs erhalten. Vonn ist nicht nur Patientin, sie wird zur Versuchsperson im eigenen Körper.
Die Sponsoren zittern. Red Bull und Under Armour haben Klauseln, die bei Karriereende greifen. Vonn aber signalisiert: Sponsoringverträge sollen sich verlängern, wenn sie beim nächsten Hahnenkamm-Training mitfährt – zumindest als Testfahrerin. Intern spricht man bereits von einem „Comeback 2.0“, das keine Rennen mehr vorsieht, aber die Marke Vonn am Leben hält.
Die Uhr tickt. In 90 Tagen will sie ohne Stock gehen, in 180 Tagen wieder joggen. Die MRI-Termine sind gebucht. Die Statistik spricht gegen sie: Nur 14 % der Sportler mit offener Schienbeinfraktur und Kompartmentsyndrom kehren auf ihr vorheriges Leistungsniveau zurück. Vonn wirft diese Zahlen in den Wind. Ihr Kommentar unter das Video: „Ich war nie eine Statistik – warum jetzt?“
