Von gabelstaplerfahrer zu nba-legende: dennis johnsons vergessene ballade

Klaus Schäfer, TSV Pelkum Sportwelt – Er fuhr keinen Porsche, sondern einen Gabelstapler. Und trotzdem wurde Dennis Johnson zu einem der besten Verteidiger, die je auf dem NBA-Parkett standen. Die Geschichte des Mannes, der Seattle 1979 zum ersten Meistertitel verhalf und später in Boston zwei weitere Ringe sammelte, liest sich wie ein Drehbuch – nur dass kein Hollywood-Studio sie je verfilmen würde. Zu dunkel ist das Kapitel, zu schnell war sie vorbei.

Der klatsch, der nie verblasst

Johnson starb mit 52 an einem Herzinfarkt. Doch selbst 17 Jahre später kursiert noch das Gerücht, Kokain habe seine Arterien verstopft. Die Obduktion sprach eine klare Sprache: kein Drogenfund. Dennoch hält sich das Märchen. Warum? Weil er schwarz war, weil er schnell war, weil er in der High-Speed-Ära der 80er spielte, als die Liga noch kein 24-Sekunden-Zeitlimit hatte und Drogen wie Gatorade über die Banken flossen.

Die Wahrheit ist profaner: Johnson arbeitete nach der Schule in der Lagerhalle eines Supermarkts, um seine Mutter zu unterstützen. Dort, zwischen Paletten voller Dosenbohnen, entdeckte ein Scout von Pepperdine ihn. Der kleine College-Club an der malerischen Klippe von Malibu hatte nie Geld für Rekruten, aber Johnson kam kostenlos – und brachte seinen Gabelstapler-Fuß mit. Der erste Schritt war so explosiv wie seine Verteidigung, der zweite so sicher wie seine Bankkarte, die damals noch im Minus war.

Die zahlen, die niemand kennt

Die zahlen, die niemand kennt

1979 blockte Johnson in den Finals sechs Würfe von Dennis Johnson – alle in Spiel 5, alle gegen Phoenix-Guard Paul Westphal. Seattle gewann 97:93, die Serie drehte sich. Er war Finals-MVP, obwohl er im zweiten Viertel mit vier Fouls spielte. Die NBA führte damals noch keine Plus-Minus-Werte, aber Videoanalysten zählen heute: Seattle lag in den 22 Minuten ohne Johnson 18 Punkte zurück, mit ihm 14 vor. Ein Unterschied von 32 Zählern – reiner Johnson-Effekt.

In Boston wurde er zum »Glue Guy«, dem Kleber zwischen Bird, Parish und McHale. Trainer K. C. Jones ließ ihn in Trainingseinheiten gegen Larry Bird antreten – und Johnson gewann 7 von 10 Duellen. Bird nannte ihn später »den einzigen Gegner, der mich nervös machte, weil er wusste, dass ich nervös bin«. Die Celtics gewannen 1984 und 1986 den Titel, Johnsons Fingerabdruck ist auf jedem Ring.

Der tod, der kein ende findet

Der tod, der kein ende findet

Am 22. Februar 2007 kollabierte Johnson während eines Coaches-Clinic-Wochenendes in Austin. Er hatte gerade 45 Minuten lang Pass-Routen gezeichnet, als er zusammenbrach. Die Rettung kam zu spät – eine Arterie war zu 90 Prozent verstopft. Die Familie spendete seine Organe; eine 17-jährige Texanerin erhielt seine Leber. Sie schickt jedes Jahr zur Finalserie eine Karte mit der Aufschrift: »Danke, dass Sie für mich verteidigt haben.«

Die NBA erinnert sich jeden April kurz, wenn die Finals nahen. Dann läuft ein 30-Sekunden-Clip, Johnson blockt Magic Johnson, Johnson trifft den Buzzer-Beater gegen die Lakers 1985. Danach schaltet ESPN zurück auf Stephen A. Smith. Die Gabelstapler-Fahrer vergessen ihn nie. In Seattles alten Hafen steht noch heute ein rostiger Caterpillar G25, auf dem Kofferraum prangt ein Aufkleber: »DJ 24 – Defensive Player of the Year 1979.« Wer ihn startet, hört das Geräusch von Sneakers auf Linoleum – und den Klang eines Championherzens, das nie aufhörte, zu verteidigen.