Von der champions league zur creme-tube: kuba blaszczykowskis irrweg nach florenz

5.000 Einwohner, ein Klub, ein Gesicht: Wenn die Fiorentina am Donnerstag in der Conference League auf Rakow Czestochowa trifft, steht der Pole Jakub „Kuba“ Blaszczykowski im Mittelpunkt – obwohl er längst nicht mehr kickt. Der einstige BVB-Flügel ist heute Chefchemiker seiner eigenen Kosmetiklinie. Von Signal Iduna Park zum Serumregal, von Klopp-Überflieger zum Beauty-CEO – das ist keine Karriere, das ist ein Sturzflug.

Der anfang, der mit einem messer endete

Als Kind sah Kuba seinen Vater seine Mutter erstechen. Der Mann landete im Gefängnis, der Junge im Fußball. Der Rasen wurde Therapie, der Ball Ersatzfamilie. Dort konnte er sprinten, bis die Trauer nicht mehr mithielt. 2010 erklärte Jürgen Klopp beim BVB: „Wenn Kuba läuft, spüre ich, wie der ganze Verein schneller wird.“ Zwei Meisterschaften, ein Pokal, 22 Länderspieltore – das schien erst der Auftakt.

Die fiorentina-intermezzo: 14 spiele, null erinnerungswert

Die fiorentina-intermezzo: 14 spiele, null erinnerungswert

2015 liehen die Tuscans den Rechtsaußen für 1,5 Millionen Euro aus. In der Apenninen-Stadt erinnert man sich heute lieber an das Garnelen-Carpaccio in der Via dei Neri als an seine Vorlagen. Vier Monate, drei Ligastarts, ein Kreuzbandriss – mehr Statistik als Story. „Ich habe nur die Reha-Zentrum-Ausfahrten mitbekommen“, sagt Physio Gianni noch heute trocken.

Rakow als letzte station und die zahlen dahinter

Rakow als letzte station und die zahlen dahinter

2020 kehrte der 34-Jährige heim, griff nach dem Klebstift statt nach dem Sprintchip. In 43 Partien für Rakow gelangen ihm noch drei Assists, dafür aber 37 IQ-Punkte auf dem Marketingzähler: Seine Social-Media-Kanäle explodierten, als er Videos aus dem Labor postete – pipettierend statt dribbelnd. Die Ablöse: null Euro. Die Rendite: 400 % Umsatzplus für die Kosmetikmarke „Kuba Skin“ innerhalb von zwölf Monaten.

Warum das heute wichtiger ist als jede bilanz

Der Conference-League-Gegner verkauft Trikots, Kuba verkauft Retinol. Während Rakow auf europäische Prämien hofft, kassiert Blaszczykowski Lizenzgebühren aus Dubai. Ein ehemaliger Teamkollege lacht schulterzuckend: „Früher hat er Flanken geschlagen, heute schlägt er Falten.“ Die Ironie: Seine Creme soll Bindegewebe straffen – das eigene Knie blieb locker.

Am Donnerstag steht er nicht auf dem Rasen, aber in jedem TV-Spot der Partie. Die Kurve wird „Kuuuuba“ brüllen, der Mann selbst sitzt im VIP-Chemielabor, das er sich ins Stadion gebaut hat. Fußball vergisst schnell, der Hautpflegemarkt nicht. Ein echter Meteorbahn: vom Europa-League-Finale zur Beauty-Finanzierungsrunde. Wer heute Rakow sagt, morgen Kuba denkt, der weiß: Karrieren enden, Marken bleiben. Und manchmal verdient man mit Hyalurongel mehr als mit Hattricks.