Von bern bis anatolien: hadergjonaj schießt sich in neue dimension

Florent Hadergjonaj jagt den Ball nicht mehr, er jagt Zahlen. Acht Tore, acht Vorlagen in 28 Pflichtspielen – das ist keine Statistik, das ist eine Kampfansage an jeden, der den Emmentaler nur als defensiven Rempler verortete.

Die Türkei hat ihn neu erfunden. In Alanyaspor läuft er auf wie ein Flügelstürmer, tritt Standards wie ein Playmaker und feiert Treffer wie ein Teenager. Die Süper Lig zittert, die Gegner rennen ihm hinterher, die Kurve singt seinen Namen. Wer erinnert sich da noch an die Tage in Thun, Luzern oder bei den Young Boys, wo er oft nur die zweite Wahl war?

Der lange weg vom nebenjob zum nationalhelden

Der lange weg vom nebenjob zum nationalhelden

2011 noch Bankdrücker in Bern, 2016 erster Auslandssprung nach Ingolstadt, dann der kalte Norden von Huddersfield. Die Premier League lehrte ihn, dass nur Durchsetzungsvermögen zählt. Die Bundesliga schärfte seine Taktik. Doch erst die Türkei entfachte sein Feuer. Seit 2023 spielt er mit offenem Visier – und der Kosovo ruft.

38 Länderspiele stehen in seinem Pass, dabei hätte er auch das Schweizer Nati-Trikot tragen können. Er entschied sich für das Land seiner Eltern, nahm die Playoffs im Visier. Ende März geht’s um den WM-Traum, und der 29-Jährige ist längst kein Geheimtipp mehr. Seine Hereingaben sind Präzisionswaffen, seine Schüsse aus 20 Metern ein Garant für Torjubel.

Alanyaspor profitiert, die Fans jubeln, die Bosse planen. Ein Vertrag bis 2025 liegt auf dem Tisch, doch europäische Klubs schnuppern. Die Ablöse steigt mit jedem Assist, der Marktwert explodiert. Hadergjonaj selbst bleibt kühl: „Ich will Titel“, sagt er knapp. Mehr muss er nicht sagen. Die Tore sprechen für ihn – und die könnten im März die ganze Balkan-Halbinsel zum Toben bringen.