Von allmen jagt in kvitfjell den saison-knall – olympia-rummel bleibt daheim
Franjo von Allmen fliegt nach Norwegen, um seinen Winter zu retten. Kein T-Shirt-Wetter, keine Fan-Meute, keine Show. Nur Eis, Schnee und eine Piste, die ihm schon einmal goldene Skier beschert hat.

Der zweite frühling kommt in kvitfjell
Nach dem Olympia-Circus pendelt der 24-jährige Zimmermann aus Boltigen zwischen Selbstzweifeln und Selbstironie. „Ich finde es nicht so ‚anmächelig’, wenn man im Zielraum mit einem T-Shirt herumlaufen kann“, sagte er nach dem Courchevel-Aus. Kurz gesagt: Zu warm, zu laut, zu viel. Der Fehler in Garmisch (Rang sechs) nagt. Der Ausfall in Frankreich nagt mehr.
Sein Trainer Reto Nydegger schiebt den Fokus weg von den Fehlern und hin auf die Tatsache, dass sein Schützling als Einziger der Spitze beide Abfahrten in Garmisch und Courchevel komplett fuhr. „Verglichen mit den Routiniers war das ein Nachteil“, sagt Nydegger und meint damit Startnummern jenseits der Top-15. Dazu kommt der mediale Tsunami. Seit seinem dreifachen Olympia-Triumph ist von Allmen Pop-Ikone. Red-Bull stellt ihn auf die Dose, Fans stellen ihn auf ein Podest, das er selbst noch nicht als gebrochen betrachtet.
Kvitfjell könnte die Zirkusklappe schließen. Das norwegische Weltcup-Finale gilt als Familientreffen. Selbst zur Zeit von Aksel Lund Svindal kamen selten mehr als 1000 Zuschauer. Für von Allmen ein Segen. „Es wird gemütlicher an der Strecke – und das ist für ihn gerade ganz gut“, so Nydegger. Die Wetterkarte liefert das obligatorische Sahnehäubchen: Minusgrade statt Frühlingsflirt. Die Strecke liegt ihm ohnehin. 2025 gewann er hier die Abfahrt vor Marco Odermatt und Stefan Rogentin. Die Erinnerung ist frisch, die Selbstzweifel verraucht.
Die Saison war trotz der letzten holprigen Wochen kein Fehlstart. Dreimal Gold in Peking, einmal Gold in Kvitfjell, ein Gesicht auf der Energy-Dose. Die Bilanz ist Makulatur, wenn das Finale schiefgeht. „Wir wollen mit einem Paukenschlag abschließen“, sagt von Allmen. Ein Podest würde reichen, ein Sieg würde brüllen. Die Schweizer Fans schalten am Wochenende auf Norwegisch ein, um zu sehen, ob der Olympia-Held wieder Lärm macht – diesmal ohne T-Shirt.
