Vom serie-a-torwart zum lastwagenchauffeur: caglioni packt aus über kokain-skandal
Nicholas Caglioni blickt zurück – und schlägt den Ball weit, weg vom grünen Rasen. Der ehemalige Serie-A-Keeper, 43, saß einst zwischen den Pfosten von Atalanta und Messina. Heute sitzt er hinter einem 40-Tonner, frisch gekühlte Lebensmittel im Auflieger. „Ich bin glücklich“, sagt er. Doch die Geschichte, die er erzählt, klingt nicht nach Happyend. Sie klingt nach einem System, das einen jungen Spieler aussortierte – und nie mehr zurückholte.
Die nacht, in der sein leben kippte
11. März 2007, nach Chievo gegen Messina. Caglioni hatte Sergio Pellissier einen Elfmeter gekratzt. Dann das Telefon: „Kokain im Test.“ Panik. Drei Tage zuvor war der Verein noch im Trauerzug für den getöteten Polizisten Filippo Raciti gewesen. Kein Kontakt zu Drogen, schwört er. „Ich war 21, machte wie alle jungen Spieler Party – aber nie Koks.“
Was folgte, war zwei Jahre Sperre. Keine Gegenprobe, keine Aufklärung. „Vier Mal hintereinander wurde ich kontrolliert – Zufall?“, fragt er. „Vielleicht war ich lästig: frisch verlängerter Dreijahresvertrag, sagte, was ich dachte.“

Der weg zurück führte nicht nach oben
2009 kehrte er in der dritten Liga zurück, spielte sich durch Modena, Crotone, Lecce, Salernitana. Europa League? Fehlanzeige. „Nach der Sperre lief ich ständig mit einem Koffer voll Verdacht rum“, sagt er. „Drei Dopingbeauftragte kamen aufs Feld, behandelten mich wie einen Schwerverbrecher.“
Das große Geld habe er nie gesehen, „aber auch nie verprasst“. Als 2019 die Knie schmerzten, legte er ab. Corona kam. Der Vater war Fernfahrer. Caglioni buckelte sich die LKW-Papiere, heute rollt er von Bergamo bis Lyon, bis Palermo. „Montag bis Freitag unterwegs, Freitagabend kuschelt mein zweijähriger Sohn sich an mich. Das ist mein Pokal.“

Warum er den ball nie mehr anfasst
Früher schaut er nicht mal mehr hin. „Analyse, Diätologe, Psychologe – das ist keine Mannschaft, das ist eine Klinik“, sagt er lachend. „Ich schaue lieber den Asphalt unter meinen Reifen.“
Die Wut ist weg, die Erkenntnis bleibt: „Ich wäre Serie-A-Keeper geblieben. Storari wechselte 2007 zum Milan – ein Insider sagte mir, sie hätten eigentlich mich wollen.“ Stattdessen lenkt er 40 Tonnen durch den Gotthard. Die Karotte auf dem Beifahrersitz: ein Leben ohne Lügen, ohne Protokolle. 300 Profispiele stehen in den Statistiken. 10 Stunden am Tag rollt seine neue Uhr. Sie geht nach Haus – und nicht nach dem nächsten Skandal.
