Vom krieg zur wm: iraker marko farji fordert norwegen heraus
Es ist eine Geschichte von Flucht, Krieg und Wiederaufbau – und nun von Fußball. Marko Farji, der 22-jährige Flügelspieler von Zweitliga-Aufsteiger Venezia, steht kurz vor seinem WM-Debüt für den Irak und blickt dabei auf eine ungewöhnliche Vergangenheit in Norwegen zurück. Ein provisorisches Trainingslager in Houston, Texas, war der Ort, an dem wir ihn trafen, umgeben von der staubigen Atmosphäre, die an seine irakischen Wurzeln erinnert.
Ein kind der diaspora zwischen grimstad und bagdad
Marko Farji wurde in Grimstad, Norwegen, geboren, doch seine Kindheit ist geprägt von den traumatischen Erlebnissen seiner Eltern, kurdischer Iraker, die vor dem Regime von Saddam Hussein flohen. „Ich habe meine Eltern viel über ihre Reise erzählt bekommen. Es war keine leichte Zeit“, erinnert sich Farji, dessen Familie die Schrecken des Krieges hautnah erlebt hat. Die Erinnerungen an Verwandte, die dem Terror zum Opfer fielen, sind tief in seiner Familiengeschichte verwurzelt. Nun, Jahrzehnte später, soll er mit der irakischen Nationalmannschaft Geschichte schreiben.
Die WM in Katar bedeutet für den Irak mehr als nur ein Fußballturnier. „Es geht um mehr als nur 90 Minuten. Millionen Iraker haben ihre Heimat verlassen, weil sie keinen Ort mehr hatten, um zu leben. Wir sind die Söhne der Diaspora“, betont Farji. In der irakischen Mannschaft finden sich Spieler, die in Schweden, England und Deutschland geboren wurden – alle verbunden durch die gemeinsame Erfahrung der Vertreibung und des Wiederaufbaus.
Besonders bewegend ist die Geschichte von Aymen Hussein, dem Stürmerstar des Teams, dessen Vater im Krieg ums Leben kam. „Wir spielen für diejenigen, die nicht mehr da sind, und für unsere Familien“, erklärt Farji mit Nachdruck.

Verpasste chancen und die wahl für den irak
Die norwegische Nationalmannschaft hatte bereits 2021 Interesse an Farji gezeigt. „Sie sagten, sie könnten mich nicht sofort nominieren, aber sie würden auf mich setzen. Aber ich sagte: Entweder jetzt oder nie – und ich wusste, dass ich für den Irak spielen musste“, so Farji. Diese Entscheidung war nicht leicht, aber letztendlich lag ihm sein irakisches Erbe am Herzen.
Auch mit Erling Haaland, dem Superstar Norwegens, verbindet ihn eine besondere Geschichte. „Wir haben im selben Verein, Stromsgodset, gespielt. Ich werde ihm nach dem Spiel auf jeden Fall seine Trikotnummer fragen“, verrät Farji mit einem Lächeln. Er erinnert sich noch gut daran, wie er als Jugendlicher die Fotos von Haaland an den Vereinswänden bestaunte, der bereits mit 15 Jahren für Aufsehen sorgte.
Was den Irak so stark macht? „Die Einheit, die Kameradschaft. Und wir wissen alle, was wir auf dem Platz zu tun haben“, antwortet Farji überzeugt. Vor allem aber blickt er mit Optimismus auf die bevorstehende Herausforderung gegen Norwegen.

Ein gescheiterter traum beim manchester city
Auch eine lukrative Chance in England verpasste Farji einst. „Ich habe mit 12 Jahren ein Probetraining beim Manchester City gemacht. Es lief gut, aber sie sagten, ich sei noch nicht gut genug für dieses Niveau und müsse erst noch wachsen. Danach gab es noch einen Versuch beim Ajax“, berichtet er. Diese Ablehnung hat ihn jedoch nicht entmutigt, sondern zu harter Arbeit und stetiger Verbesserung motiviert.
Venezia war für ihn die richtige Wahl. „Ich hatte andere Angebote, aber hier gab es ein ‚cooles‘ Projekt. Ich habe zwar seit Januar nur zwei Spiele gemacht, aber ich fühle mich wohl und habe das Vertrauen des Trainers. Ich möchte das zurückzahlen.“
Was ihn an Italien am meisten fasziniert? „Die Herzlichkeit der Menschen, die Art, wie sie miteinander sprechen, das Essen – einfach alles. Überall, wo man hingeht, lächelt einen jemand an.“
Sein Idol? „Cristiano Ronaldo. Ronaldinho beim AC Mailand war auch einfach ‚verrückt‘. Ich schaue mir seine Dribblings immer noch auf YouTube an.“
Für Farji ist die WM eine Erfüllung. „Ein Gefühl, das ich meiner Familie widme. Sie waren immer für mich da“, schließt er mit einem Blick voller Dankbarkeit.
