Vom flaschensammler zum meistercoach: sebastià salvat schreibt österreichs handball-geschichte neu

Als der 24-jährige Sebastià Salvat vor fünfzehn Jahren mit zerfleddertem Koffer und einem Monat Sprachkurs in Berlin landete, bezeichnete ihn selbst die Putzfrau als „den armen Spanier, der hier nichts zu suchen hat“. Heute, mit 39, hält er den Pokal der österreichischen Bundesliga – und keiner in ganz Vöslau fragt mehr, wer er ist.

Zufall in der füchse-kantine verändert alles

Die Szene ist legendär. Salvat kauft sich seinen letzten Kaffee, sagt Bob Hanning auf Wiedersehen und will zurück nach Barcelona. Hanning blockiert den Weg: „Nein, du bleibst. Morgen gibt es einen Vertrag.“ Drei Jahre Assistenz beim Füchse-Bundesliga-Team, dazwischen Junioren betreuen, Spielanalyse, Videoausschnitte schneiden bis drei Uhr nachts. „Ich habe dafür keinen Cent bekommen, aber eine Masterclass in Handball“, sagt Salvat trocken.

Die Rechnung zahlt sich sofort aus. Raúl Alonso, damals Talente-Chef beim THW Kiel, sieht Salvats Analyse-Videos und klopft an. „Komm nach Tirol, ich brauche dich.“ Vier Jahre später sitzt der Katalane bereits in Brest, weißrussischem Winter, Heizung defekt, Spielplan brutal – und lernt, dass Druck manchmal 30 Grad minus hat.

Vom klassenerhaltskandidaten zum champion in 14 spielen

Vom klassenerhaltskandidaten zum champion in 14 spielen

Im Sommer 2024 übernimmt Salvat die Jags Vöslau. Die Erfolgsbilanz: Platz sieben, zwei Punkte über der Abstiegszone. Die Kabine verliert das Vertrauen, Fans skandieren „Salvat raus“. Dann dreht er an einer Schraube: das 6-0-Deckungskonzept wird aggressiver, statt Einzeltraining setzt er auf Gruppen-Videoeinheiten, in denen jeder Fehler der Gegner langsam abgespult wird. Gewonnene Spiele: vierzehn am Stück. Finale gegen Fivers Margareten: 2-0. Erster Titel der Vereinsgeschichte.

Die Liga kürt ihn zum Trainer des Jahres. Salvat lacht: „Die Urkunde ist schön, aber meine Mutter schickt trotzdem jeden Sonntag Sprachnachrichten: Schaffst du dir nicht endlich einen richtigen Job?“

Die rückkehr in die liga, die ihn nicht kennt

Die rückkehr in die liga, die ihn nicht kennt

Der Plan steht. Noch ein Jahr Vöslau, „dann will ich heim“. Spanische Liga, heiße Halle in Barcelona, Kinder, die Katalanisch schreien. „Ich bin hier draußen zwar Meister, aber in Spanien ein Unbekannter. Das ändere ich mit Titeln, nicht mit Worten.“ Die Flugtickets sind schon gebucht – nur noch nicht gekauft.