Vom abstellgleis zur abwehrchef: amendas irre wandlung binnen 60 tagen
Ein Telefonat im Januar rettete Aurele Amendas Eintracht-Karriere – und womöglich die komplette Saison der Hessen. Drei Monate später ist der 22-jährige Schweizer zum Fixpunkt einer Defensive geworden, die in den letzten fünf Pflichtspielen nur vier Gegentore kassierte. Der ehemalige Reservist führt die Statistik der Zweikampfführung (63 %) und spielte zuletzt in St. Pauli 168 Ballkontakte – ein Vereinsrekord, der beweist: Amenda wird gesucht, nicht nur geduldet.
Amenda ist kein notnagel, sondern ein coach-traum
Trainer Albert Riera verlangt von seinen Innenverteidigern vertikale Sicherheit und Pressingresistenz – genau die Qualitäten, die Amenda durch seine fünfmonatige Rekrutenschule mitnimmt. «Die Armee hat mir beigebracht, dass Panik keine Option ist», sagt er selbst. Das sieht man ihm an: Kein Hektikspiel, keine wilden Klärungsaktionen, stattdessen klare Ansagen und ein Ruhepuls, der an Zimmertemperatur erinnert. Die Kollegen nennen ihn «Iceman», weil er selbst nach einem Fehler die Mimik nicht verzieht.
Ohne die Verletzungswelle um Robin Koch, Rasmus Kristensen und Arthur Theate hätte Amenda vermutlich den Verein verlassen. Doch die Krise der anderen wurde zu seiner Bühne. Seit Riera ihn vornehmlich links neben Willian Pacho aufstellt, steht die Eintracht dreimal in Folge ohne Gegentor. Die einstige «Schießbude» verwandelt sich vor den Augen der 50.000 in ein Fort – und der Mann mit der «nicht allzu schnellen» Gangart bestimmt das Tempo mit.

Nächster halt: wm in den usa
Die Zahlen sprechen für sich, doch Amenda will mehr. «Ich will keine 50-50-Chance auf die WM, ich will eine 90-10-Chance», sagt er, während er seine Schuhe bindet. Der Sommer rückt näher, und mit ihm die Endrunde in den USA, Mexiko und Kanada. Für den Verteidiger, der mit 20 Jahren bereits Champions-League-Luft schnupperte, wäre es die logische nächste Stufe. Sportdirektor Markus Krösche lacht, wenn man ihn danach fragt: «Hätten wir ihm im Januar zugestimmt, stünde er jetzt wo? Vielleicht in der zweiten Schweizer Liga.» Stattdessen steht Amenda in der Bundesliga und spielt sich in die Herzen der Fans – und in den Kader von Nationaltrainer Yakin.
Die Geschichte ist noch nicht zu Ende. Die Defensive stimmt, die Offensive stottert. Wenn Eintracht Frankfurt die Europa-League-Tickets noch sichern will, braucht sie weiter den «Iceman», der mit 1,94 m jeden Standard in den gegnerischen Strafraum trägt. Und wenn es im Mai um die letzten Punkte geht, wird sich niemand mehr erinnern, dass Amenda im Januar noch den Koffer gepackt hatte. Dann zählt nur noch eins: dass er geblieben ist – und die Eintracht mit ihm.
