Vittozzi schlägt zurück: olympiasiegerin feiert ersten verfolgungssieg in estland
Lisa Vittozzi hat es wieder getan. Fast genau einen Monat nach ihrem Olympiagold von Antholz gewinnt die 31-jährige Skilangläuferin aus Sappada den Verfolgungswettbewerb der Biathlon-Weltcup-Auftaktveranstaltung in Otepää, Estland – und das vor 15.000 mitgereisten italienischen Fans, die die Tribünen am vergangenen Samstabend zum Kochen brachten.
Vittozzi meistert wind, nerven und französinnen
Der Wind war rau, die Französinnen lagen dicht auf. Doch Vittozzi blieb kühl. Sie schoss 19 von 20 Treffern, verfehlte nur einmal bei der letzten Serie, als Böen quer über die Schießbahn peitschten. „Ich habe gespürt, dass die Bedingungen extrem waren. Deshalb habe ich jede Schießphase bewusst verlängert, um sicher zu treffen“, sagte sie nach dem Rennen. Die Taktik zahlte sich aus: Mit 30,9 Sekunden Vorsprung vor der Finnin Suvi Minkkinen und 35,2 Sekunden vor der Französin Justine Braisaz-Bouchet fuhr sie als einzige Athletin unter 30 Minuten – 29:45,6 Minuten.
Dahinter reihten sich weitere Azzurri ein: Dorothea Wierer wurde Zwölfte, Samuela Comola Fünfzehnte. Nie zuvor hatte Italien an einem Weltcup-Tag vier Top-15-Platzierungen in der Frauen-Konkurrenz geholt.

Laegreid dominiert, hofer hält italien-fahne hoch
Bei den Männern setzte sich der Norweger Sturla Holm Laegreid durch – mit einer Vorstellung, die an Überlegenheit kaum zu überbieten war. Er traf 20-mal, schaffte sogar unter widrigen Windbedingungen die schnellste Schießzeit und lief 33,4 Sekunden schneller als der Zweitplatzierte, sein Landsmann Johannes Thingnes Bø. „Ich wollte beweisen, dass Antholz kein Zufall war“, sagte Laegreid, der damit seine Serie auf vier Saisonsiege in Folge ausbaute.
Lukas Hofer verpaste als Siebenter knapp das Podest, blieb aber mit nur zwei Fehlern auf der Schießbahn hinter den Erwartungen. „Ein solider Auftakt, doch ich weiß, dass ich im Vergleich zur Spitze noch zulegen muss“, kommentierte der Südtiroler. Seine Teamkollegen Tommaso Giacomel und Didier Bionaz belegten die Ränge 18 und 24.
Otepää als vorbereitung auf 2025 – und ein fingerzeig für mailand-cortina
Der estnische Schneegarant in Otepää gilt als Generalprobe für die WM 2025. Die Organisatoren zeigten sich zufrieden: 25.000 Zuschauer an zwei Tagen, keine Störungen, perfekte Loipen. „Wir haben bewiesen, dass wir eine WM stemmen können“, sagt der estnische Verbandschef Aivar Kriisman. Für Italien ist das ein wichtiges Signal: 2026 findet die WM in Mailand-Cortina statt – und Vittozzi & Co. haben bewiesen, dass sie auch unter Druck liefern können.
Die nächste Station ist nächste Woche in Oslo. Vittozzi fliegt als Gesamtführende hin – und mit dem Selbstbewusstsein einer Olympiasiegerin, die ihren Zenit noch lange nicht erreicht hat.