Visconti packt aus: nibali-rivalität, panikattacken und die pasta-diät
Giovanni Visconti, einst als der neue Paolo Bettini gehandelt, blickt zurück auf eine Karriere voller Höhen und Tiefen. Der italienische Fahrer, der drei Mal das Trikot des Primavera trug und zwei Etappen beim Giro d’Italia gewann, enthüllt nun pikante Details aus seiner Vergangenheit – von der Rivalität mit Vincenzo Nibali bis hin zu den traumatischen Panikattacken, die seine Karriere fast beendeten.
Die jugendjahre: pasta, reisen und ein früher rivale
Viscontis fußballgroße Ambitionen wurden schon früh von der Leidenschaft für das Radfahren überlagert. Seine Eltern, die aus Palermo stammten, zogen ihn als Kind nach Turin, bevor sie schließlich in ihre Heimatstadt zurückkehrten. Doch der Weg zum Profi führte ihn zunächst nach Norditalien, genauer gesagt nach San Baronto in der Toskana. "Ich war damals schon schneller und gewann oft. Es entstand ein Duell mit Vincenzo Nibali, der in Mastromarco trainierte. Die Fans waren heiß auf uns!"
Die Jugendjahre waren geprägt von intensiven Reisen und großen Opfern. Visconti erinnert sich an die nächtlichen Fahrten von Palermo nach Neapel, wo er und seine Familie auf dem Deck eines Schiffes schliefen, um Geld zu sparen. "Wir haben auf Matratzen geschlafen, zwischen den Stühlen. Direkt am nächsten Morgen ging es dann zur Schule, ohne erst nach Hause zu fahren." Auch die Mittagspausen waren ungewöhnlich: Während seine Mitschüler Pizza aßen, verspeiste Visconti eine von seiner Mutter zubereitete Pasta-Mahlzeit, die er in einem Thermosbehälter mitgebracht hatte. "Sie wurde oft zu einer Art Creme, aber es war das, was ich hatte."

Der bittere geschmack der rivalität: eine unvergessliche auseinandersetzung mit nibali
Die Rivalität mit Vincenzo Nibali eskalierte einst auf dem Circuit von Cerbaia. Visconti, der als klarer Favorit ins Rennen ging, wurde von Nibali mit einer gezielten Bremsung behindert. "Er hat mir die Bremse gezogen, um mich zu Fall zu bringen. Wir haben uns danach heftig gestritten. Ich habe meine Fahrräder auf den Boden geworfen und ihn an die Wand gedrückt!" Die Schiedsrichter trennten die beiden jungen Fahrer, doch die Erinnerung an diesen Vorfall bleibt unvergessen. Heute können sich die beiden ehemaligen Rivalen jedoch darüber lachen.

Die dunkle phase: panikattacken und ein kampf gegen die angst
Die Karriere von Visconti war nicht nur von sportlichen Erfolgen, sondern auch von schweren Rückschlägen geprägt. Im Jahr 2012 erlitt er beim Giro d’Italia eine Panikattacke, die ihn an den Rand des Abgrunds trieb. "Ich hatte Angst, zu sterben. Ich habe mir die Blicke der anderen eingefangen, sie waren wie aus der Luft gegriffen. Ich habe mir meine Trikot gerissen und bin in eine Pfütze gekrochen." Die folgenden Jahre waren von einem zermürbenden Kampf gegen die Angst und die damit verbundenen körperlichen Beschwerden geprägt. „Ich musste mich komplett neu erfinden. Ich wurde zum Diener des Teams, zum Helfer.“

Ein neuanfang: respekt und freundschaft mit vincenzo nibali
Heute arbeitet Visconti als Sportdirektor für das Team Jayco-AlUla und blickt mit Stolz auf seine Karriere zurück. Die Rivalität mit Vincenzo Nibali hat sich längst in gegenseitigen Respekt und Freundschaft gewandelt. "Wir sprechen oft miteinander. Es ist eine tiefe Wertschätzung füreinander." Seine Geschichte ist ein Beweis dafür, dass selbst die größten Herausforderungen überwunden werden können – wenn man den Mut hat, sich seinen Ängsten zu stellen und immer wieder aufzustehen. Visconti hat bewiesen, dass man auch nach einem tiefen Fall wieder zu alter Stärke finden kann – und dass die besten Geschichten oft die sind, die von Narben erzählen.
