Vingegaard zermalmt katalonien – und macht schon den giro klar

Barcelona war nur noch Kulisse. Jonas Vingegaard fuhr die Volta a Catalunya 2026 mit der kalten Präzision eines Bankers zur Kasse – und schenkte sich selbst das letzte Etappendouble obendrauf. Die Frage war nicht, ob er gewinnt, sondern wie viele Minuten er diesmal rausreißt. Am Ende standen 2:41 auf Roglič’ Nachfolger Lipowitz. Ein Vorsprung, der wehtut.

Seine Attacke auf dem Alto de Montjuïc kam kurz nach Kilometer 200. Keine Provokation, kein Showrun – einfach ein Selektor, der die Gruppe auf zwölf Mann zerpflückte. Evenepoel biss sich fest, Gall verlor sieben Sekunden, Uijtdebroeks zwölf. Lipowitz schaute nur noch auf den Bordcomputer. Die Red Bull-BORA-Staffel, die mit zwei Superstars und einem Budget von 70 Millionen anreiste, fuhr nach Hause – ohne Etappensieg, ohne Trikot, ohne Stolz.

Die bilanz des todes

Seit Januar hat der Däne 21 von 23 Wettkampftagen gewonnen. Paris–Nizza und Katalonien in einem Frühjahr – das schaffte vor ihm nur der junge Merckx 1971. Dazwischen liegen 1.480 Höhenkilometer, 13 Gipfelankünfte und ein Sprint, den er sich mit 71 km/h selbst einleitete. Daten? Nein, ein Statement. Wer so früh schon in rosa träumen darf, braucht keine Statistik, sondern einen Psychologen für die Konkurrenz.

Visma-Lease a Bike ließ den neuen NSN-Raketenstart Brady Gilmore den Etappenzug sichern – ein Luxus, den sich frühere Tourhelden nie erlaubten. Andrés Iniesta jubelte im Teamwagen, doch selbst der Weltmeister von 2010 wusste: Die Show gehört dem Mann aus Glyngøre.

Spanien schaut in die röhre

Spanien schaut in die röhre

Juan Ayuso? Fünfte Gesamtrunde, 4:12 Rückstand. Der 21-jährige Katalane liefert ordentliche Zahlen, aber keine Story. Marc Soler schaffte es, an zwei Tagen zu glänzen – und endete dennoch nur auf Rang neun. Der Rest der „Armada“ fuhr hinterher wie ein Schulklasse auf Klassenfahrt. Wenn Vingegaard beim Giro startet, wird aus spanischer Sicht höchstens die Streckenbesichtigung spannend.

Die Triple-Crown-Gefahr schwebt jetzt über dem peloton. Tour 2022, Tour 2023, Vuelta 2025 – und im Mai könnte der pinkfarbene Ruhm folgen. Froome war 2017 der Letzte, der alle drei großen Runden hintereinander in die Trophäenschränke stellen durfte. Doch der Brite hatte damals ein schwächelndes Team Sky und einen verletzten Contador. Vingegaard hat keine Schwäche, er hat einen ganzen Konzern im Rücken und einen Giro-Kurs, der aussieht, als hätte ihn ein Däne entworfen: fünf Zielankünfte über 2.000 Meter.

Remco Evenepoel schüttelt den Kopf. „Ich habe jeden Berg angefeuert, aber Jonas war schon oben, bevor ich überhaupt in den kleinen Zahnkranz kam.“ Die Worte klingen nach Respekt – und nach Erschöpfung. Der Belgier sammelte vier Podestplätze in einer Woche, aber keine Sekunde Vorsprung. Lipowitz sprach von „einer neuen Disziplin“, die Vingegaard erfunden habe: „Es ist kein Radrennen mehr, es ist Schach auf zwei Rädern, und er hat immer Matt in drei Zügen.“

Die Saison ist noch jung, doch die Kasse ist schon geleert. Wer will im Juli noch den Tour-Favoriten diskutieren, muss jetzt schon die Höhenräume vermessen, die der Däne als sein Wohnzimmer deklariert hat. Die Fans in Kopenhagen buchen bereits Hotels in Rom. Das Protokoll für den Giro steht: Berge, Zeitfahren, Berge – und dann noch einmal Berge. Für die Konkurrenz bleibt nur ein Trost: irgendwann muss er ja mal pumpen. Oder?

Die Antwort lieferte er selbst am Montag in Andorra: 6,2 Watt/kg über 43 Minuten. Kein Gesicht, keine Grimasse, nur der Blick auf den Powermeter – und dann lächelte er. Kurz. Fast schon unheimlich. Die Triple Crown ist kein Traum mehr, sie ist ein Termin. Und Termine erfüllt Vingegaard pünktlich.