Vingegaard: giro als vorbereitung für die tour – ein kalkliertes risiko?
Jonas Vingegaard hat beim Giro d’Italia bisher keine überzeugende Vorstellung gezeigt. Doch Eurosport-Experte Rolf Aldag sieht hinter der vermeintlichen Enttäuschung eine bewusste Strategie: Der dänische Tour-Hoffnung will den Giro nutzen, um sich für den großen Saisonhöhepunkt vorzubereiten – und spart dabei Kräfte.

Ein ungewöhnlicher zeitfahranzug und eine neue strategie
Nachdem Vingegaard im Einzelzeitfahren des Giro d’Italia hinter seinen direkten Konkurrenten zurückfiel, wurde spekuliert, ob der zweifache Tour-Sieger in Form ist. Aldag widerspricht dieser Annahme. Er glaubt, dass Vingegaard den Giro „nicht bei 110 Prozent“, sondern eher „mit 95 Prozent“ fährt – ein kalkuliertes Risiko, um seine Kräfte für die Tour de France zu schonen. „Ich glaube, sie werden nochmal über das Einzelzeitfahren nachdenken, was sie da anders machen können“, so Aldag im Live-Kommentar.
Das Team Visma-Lease a Bike scheint diese Strategie zu unterstützen. Vingegaard selbst hatte bereits im Januar angekündigt, dass er den Giro als „Leistungsaufbau in Richtung Tour de France“ betrachtet. Er betonte, dass er nach dem Giro bei der Tour „stärker“ sein könnte, basierend auf Erfahrungen aus früheren Saisonen, in denen er sowohl Tour als auch Vuelta bestritt. Allerdings musste er bei der Vuelta 2023 und 2025 jeweils aufgrund von Erkrankungen aufgeben – ein möglicher Grund, die Kräfte einzuteilen.
Die Tour de France bleibt das Hauptziel. Der Giro ist lediglich ein Meilenstein auf dem Weg zur Grande Boucle. Vingegaard scheint das zu erkennen und seine Leistung entsprechend anzupassen. Seine souveränen Siege bei den Bergankünften am Blockhaus und am Corno alla Scale zeigen, dass er dennoch in der Lage ist, zu dominieren, wenn es darauf ankommt.
Obwohl Vingegaard derzeit 27 Sekunden hinter dem überraschenden Leader Afonso Eulalio liegt, ist er als Zweiter der Gesamtwertung weiterhin auf Kurs für den Gesamtsieg – mit mindestens 1:30 Minuten Vorsprung auf seine direkten Konkurrenten. Wie ein gutes Pferd, das nur so hoch springt, wie es muss, scheint Vingegaard seine Kräfte zu dosieren und sich auf das eigentliche Ziel zu konzentrieren: den Triumph in Frankreich.
