Vier fehler in der quali, keine im finale: wicker schießt sich zur bronze
Anja Wicker hat ihre Paralympics-Medaille Nummer drei in Italien erjagt – und das mit einem Schießergebnis, das sich dreht wie ein Thriller. Vier Fehler in der Qualifikation, null im Finale. Die 34-Jährige aus dem deutschen Para-Biathlon-Team schlug zurück, blieb unter Druck eiskalt und sprintete in der Verfolgung auf Rang drei. Dahinter liegt mehr als nur ein Podestplatz: es ist die Geschichte einer Sportlerin, die ihre Wirbelsäule und ihre Gegner gleichermaßen überlistet.
Kendall gretsch bleibt unangefochten, wicker holt den rest ab
Die US-Amerikanerin Kendall Gretsch dominierte das Rennen wie erwartet – Gold in souveräner Manier. Silber ging an Yunji Kim aus Südkorea. Doch wer die Aufmerksamkeit auf sich zog, war Wicker. Nach dem Debakel vom Vortag – vier Fehler, die sie an den Rand der Nichtqualifikation drängten – stand sie auf der Matte, atmete durch, schloss die Augen. Dann: kein einziger Fehler mehr. Ihre Schüsse saßen, ihre Ski auch. „Ich habe mir gesagt: Jetzt oder nie“, sagte sie später. Und meinte: Jetzt.
Ihre Teamkollegin Andrea Eskau, 54 Jahre alt, lief mit zwei Fehlern auf Platz sieben. Ein gutes Ergebnis, aber nicht das, was sie sich erhofft hatte. „Ich bin stolz auf Anja“, sagte sie. „Sie hat gezeigt, was möglich ist, wenn man nicht aufgibt.“

Die zahl, die bleibt: null
Null Fehler im Finale – das ist keine Glückssache. Das ist Mentalstärke, trainiert in unzähligen Nächtern auf dem Schießstand in Ruhpolding, im Wind, im Regen, im Alleinsein. Wicker hat ihre Fehlbildung an der unteren Wirbelsäule nicht überwunden – sie hat sie integriert. „Ich bin nicht trotz meines Körpers hier, sondern mit ihm“, sagte sie. Und lachte. Dann ging sie zur Siegerehrung, Bronze schwer um den Hals, die deutsche Fahne in der Hand.
Deutschland feiert sie als Heldin. Aber Wicker selbst? Die denkt schon weiter. Die nächste Saison beginnt in vier Wochen. Und sie wird wieder auf der Matte stehen. Mit null Fehlern im Kopf – und vier im Gedächtnis.
