Vfb-talent arevalo: vom ex-kicker zu essen-knackjäger – ein deal, der fragen aufwirft?

Stuttgart. Jeremy Arevalo, der ecuadorianische Nationalspieler, kam für 7,5 Millionen Euro zum VfB Stuttgart. Ein Millionen-Deal, der aktuell in der dritten Liga seine Bewährungsprobe hat. Während die Profis in der Bundesliga mit einer starken Offensive überzeugen, sammelt Arevalo in der Regionalliga Südwest wertvolle, aber unerwartete Erfahrungen. Ist das fair? Und was steckt hinter der Entscheidung des VfB?

Die offensive des vfb – ein luxusproblem

Die offensive des vfb – ein luxusproblem

Die Stuttgarter Offensive um Deniz Undav, Ermedin Demirovic und Chris Führich ist eine der stärksten der Liga. 66 Treffer in der Bundesliga sprechen eine deutliche Sprache. Für Neuzugänge wie Arevalo gestaltet sich der Kampf um einen Platz im Sturm daher äußerst schwierig. Der 21-Jährige, der im Winter von Racing Santander an die Neckarstadt kam, wurde bislang meist nur in den letzten Minuten eingewechselt.

Die Lösung: Spielpraxis in der Regionalliga. Und Arevalo scheint sich in seiner neuen Rolle auszuleben. In fünf Spielen für die zweite Mannschaft erzielte er bereits fünf Treffer und bereitete einen weiteren vor. Besonders beeindruckend war sein Auftritt beim 6:1-Kantersieg gegen Rot-Weiss Essen, wo er einen lupenreißenden Dreierpack erzielte. Essen, aktuell Tabellen-Dritter, wurde von einem jungen Mann, der erst vor kurzem zu den Schwaben stieß, regelrecht auseinandergenommen.

Der VfB-Boss verteidigt die Entscheidung. Sportvorstand Fabian Wohlgemut wies auf die Zukunftsperspektive des Spielers hin. „Er ist ein Zukunftsprojekt und wird die Qualität in unserem Kader nachhaltig sichern.“ Zudem betonte er die Bedeutung der U21-Einsätze, die Arevalo ebenfalls absolviert, um Spielpraxis zu sammeln. Natürlich ist es ein Fakt, den viele übersehen: Die finanzielle Schere zwischen den Regionalligisten und dem VfB Stuttgart ist enorm. Ein Verein wie Essen kann kaum mit dem finanziellen Spielraum eines Bundesligisten mithalten, insbesondere wenn dieser seine Talente in der dritten Liga einsetzt.

Trainer Sebastian Hoeneß scheint ebenfalls von der Entwicklung seines Schützlings angetan. „Die Entwicklung in der zweiten Mannschaft ist erfreulich und hilft“, erklärte er auf der Pressekonferenz. Allerdings betonte er auch, dass die Konkurrenz im Profi-Team groß sei und Arevalo sich erst noch beweisen müsse.

Am kommenden Samstag könnte sich Hansa Rostock bereits vom Arevalo-Effekt überzeugen lassen müssen. Die Kogge, die noch Relegationshoffnungen hegt, wird sich genau ansehen, wie der Ecuadoreaner die gegnerische Abwehr anvisiert. Aktuell fällt Arevalo mit einer Prellung aus, sodass seine Teilnahme am Spiel fraglich ist. Ein Blick auf die WM: Bundestrainer Julian Nagelsmann dürfte den talentierten Offensivmann spätestens ab dem Beginn der Weltmeisterschaft im Blick haben. Schließlich trifft Ecuador im dritten Gruppenspiel auf die deutsche Nationalmannschaft – ein Duell, in dem Arevalo möglicherweise eine Schlüsselrolle spielen könnte.

Die Entscheidung, Arevalo in der dritten Liga spielen zu lassen, wirft Fragen nach Fairness und Wettbewerbsverzerrung auf. Doch eines ist klar: Der junge Ecuadoreaner hat das Potenzial, in der Zukunft eine wichtige Rolle beim VfB Stuttgart zu spielen – und die Regionalliga Südwest ist derzeit seine ideale Sprungplattform. Die Liga wird sich anpassen müssen. Die Zeiten, in denen die dritten Ligen den Zweit- und Drittmannschaften der Bundesligisten trotzen konnten, sind längst vorbei.