Vfb stuttgart stemmt sich nach ärgerlichem 1:2 gegen porto ins viertelfinale

Ein Aufwärtstrend, zwei individuelle Fehler, drei Tore – und null Punkte. Der VfB Stuttgart verlor das Europa-League-Achtelfinal-Hinspiel gegen den FC Porto mit 1:2, obwohl die Schwaben lange die tonangebende Mannschaft waren. Sporting Director Fabian Wohlgemuth sprach hinterher von einem „ärgerlichen Abend“, meinte aber auch: „Wir fahren alles andere als chancenlos nach Portugal.“

Stuttgarts ballbesitz-phase kostet zwei treffer

Die 47 100 Zuschauer in der ausverkauften MHP-Arena sahen ein Spiel in zwei Geschwindigkeiten. In den ersten 25 Minuten diktierte Stuttgart tempo und Räume, El Bilal Touré vergab aus sieben Metern, Chris Führich zirkelte knapp drüber. Dann schlichen sich Unkonzentriertheiten ein. Ein zu langer Rückpass von Atakan Karazor, ein verlorener Doppelpass im Mittelfeld – und Porto eiskalt. Galeno nutzte beide Geschenke, traf zum 1:0 und 2:0. Die Quittung folgte auf dem Fuß, doch Deniz Undav verkürzte noch vor der Pause per Direktabnahme. Die Gäste zogen sich danach in eine 5-4-1-Deckung zurück, die Stuttgarter fanden nur noch Lücken im Zentrum, nicht aber im Tor. „Wir haben 70 Prozent Ballbesitz gehabt, aber die entscheidenden Zweikämpfe verloren“, analysierte Wohlgemuth.

Stiller-treffer zählt nicht – porto spielt die uhr herunter

Stiller-treffer zählt nicht – porto spielt die uhr herunter

Nach dem Seitenwechsel schaltete Stuttgart auf Angriff. Angelo Stiller schlenzte aus 18 Metern zum vermeintlichen 2:2 ein, doch der Assistent hob die Fahne – Millimeter-Abseits. Porto reagierte mit einem Katalog an Provokationen: Rollstuhl für verletzte Spieler, Verzögerungen beim Einwurf, Gespräche mit dem Schiedsrichter. Die Netto-Spielzeit schrumpfte auf unter 50 Minuten. „Wir müssen immun werden gegen diese Taktik“, forderte Wohlgemuth. „Das ist ein Lernprozess auf internationaler Bühne.“

Die Statistik spricht trotz Niederlage für den VfB: 16:9 Torschüsse, 65 Prozent Ballbesitz, 28 Ballgewinne im gegnerischen Drittel. Doch Effizienz siegt über Ballbesitz – ein altes Lehrstück. Porto verwandelte zwei von drei Großchancen, Stuttgart nur eine von fünf.

Rückspiel in der drachenhöhle: 90 minuten auswärtstorjagd

Rückspiel in der drachenhöhle: 90 minuten auswärtstorjagd

Am kommenden Donnerstag steht das Rückspiel im Estádio do Dragão an. Für den VfB zählt nur ein Sieg, ein 1:0 reicht wegen des Auswärtstorregels nicht. „Wir müssen früh Druck machen, aber nicht offen stehen“, sagte Trainer Sebastian Hoeneß. Dabei könnte sich Stuttgart einiges abgucken: Porto presst in 4-4-2, schaltet innerhalb von zwei Ballkontakten um und spielt jeden Freistoß schnell aus. Die Portugiesen sind in dieser Saison zu Hause noch ungeschlagen, gewannen zuletzt 14 von 15 Pflichtspielen. Dennoch: Der VfB erzielte in der Gruppenphase drei Auswärtstore in Athen und zwei in Glasgow – Tore fallen auch in der Drachenhöhle.

Personell liefert Hoenejsse ein Puzzle: Karazor droht nach seiner Gelb-Rot-Gefahr eine Sperre, Silas Katompa Mvumpa laboriert an einer Oberschenkel-Prellung. Dafür kehrt Waldemar Anton zurück, nachdem er wegen Adduktorenproblemen fehlte. Die Marschroute ist klar: früh treffen, den Gegner in Zweikämpfe zwingen und die Körpersprache von Minute eins an auf Sieg trimmen. „Wir haben nichts zu verlieren, aber alles zu gewinnen“, sagte Wohlgemuth. Die Rechnung ist einfach: Wer in Porto trifft, der träumt weiter vom Viertelfinale. Und wer träumt, der spielt frei – eine Mentalität, die Stuttgart in dieser Saison groß gemacht hat.