Vfb lübeck blockiert eigenes fan-publikum – schlag gegen ultras nach hamburger eskalation
300 Kilometer Anreise für nichts. Der VfB Lübeck bittet seine eigenen Anhänger, am Freitag zu Hause zu bleiben – und drückt damit dem FSV Schöningen die Daumen, keinen Gästeblock zu öffnen. Der Grund: die blutige Randale nach dem Heimspiel gegen die U23 des HSV, bei der mehr als 50 Randalierer sechs Menschen verletzten.
„Kein ticket, keine tageskasse“ – schöningen folgt sofort
Die FSV-Geschäftsführung nahm die Lübecker Empfehlung innerhalb von Stunden an. Resultat: Im Elmstadion gibt es am Freitagabend weder einen Gästeblock noch eine Tageskasse. Wer in Lübeck bereits Karten gelöst hat, kann sie zurückgeben – eine kleine Finanzspritze für den Aufsteiger fällt damit weg, denn durchschnittlich zahlen nur 748 Zuschauer pro Heimspiel.
Die Maßnahme ist Teil der Aufarbeitung, die der Club seit Mittwoch offiziell eingeleitet hat. Die interne Analyse läuft noch, doch die Botschaft ist schon jetzt klar: Erst Sicherheit, dann Support. Trainer Guerino Capretti muss damit auf die mitgereiste Kurve verzichten – sportlich ohnehin ein Nebenspiel, steht Lübeck mit Rang 10 doch weit weg von Auf- oder Abstiegsrelevanz.

Die rechnung hinter dem boykott
Die Lübecker Ultrà-Szene zählt zu den reisestärksten der Regionalliga Nord. Fällt sie aus, verliert Schöningen nicht nur Stimmung, sondern auch Kasse – geschätzt fehlen rund 150 Auswärtsgäste, die sonst mindestens 3.000 Euro an Ticket- und Bratwurstumsatz generieren. Für einen Klub, der am Tabellenende klebt, ist das ein Schlag ins Kontor.
Die Polizeiinspektion Lübeck bestätigte, dass die Ermittlungen zu den Krawallen noch auf Hochtouren laufen. Videoauswertung, Personenkontrollen, Zeugenbefragung – alles läuft parallel zur sportlichen Saisonplanung. Bislang liegen sechs Anzeigen wegen schwerer Körperverletzung vor, weitere sollen folgen.
Für den VfB war der Vorfall ein Imageschaden. Nach Jahren des Aufstiegs-Hoffens droht der Verein, als randalierender Problemklub wahrgenommen zu werden. Die Selbstblockade ist also auch ein PR-Schritt – ein Versuch, die eigenen Fans zu disziplinieren, bevor der DFB mit Zuschauersperren droht.

Was bleibt, ist ein geisterspiel im grünen
Am Freitag um 19:00 Uhr wird das Elmstadion trotz herbstlicher Kälte leerer sein als sonst. Keine Lübecker Fahnen, keine Rufe, keine Choreo. Stattdessen pfeifen vermutlich nur 500 Heimfans durchs Niemandsland der Regionalliga. Die Spieler werden sich auf dem Platz wiederfinden – ohne Galgen, ohne Bühne, nur mit dem schwachen Trost, dass wenigstens niemand verletzt wird.
Die Saison ist gelaufen, die Bilanz ernüchternd. Aber die Lektion, die der VfB Lübeck seinen Fans erteilt, ist einleuchtend: Wer mit dem Feuer spielt, darf nicht erwarten, dass ihm der Funke folgt. Am Freitag bleibt der Funke im Auto – und das Stadion in Schöningen wird zur leisen Bühne eines lauten Problems.
