Verstappen zerstört seine eigene serie – und droht mit rückzug
Max Verstappen schmeißt den Controller auf den Tisch. Nach zwei Grand Prix hat der viermalige Weltmeister acht Punkte auf dem Konto, büßte in Shanghai mit einem Kühlsystem-Ausfall sogar noch den fünften Platz ein. Die Konsequenz: Der Niederländer wettert gegen die neue Technik-Ära der Formel 1 und schielt bereits Richtung Nürburgring-Nordschleife.
„Diese autos ruinieren den sport“
Die Zahlen sind brutaler als jede Schimpftirade. Red Bull holte in Melbourne und Shanghai gerade mal so viele Zähler wie das B-Team Racing Bulls. Verstappen kontert mit einem Rundumschlag gegen die Reglement-Revolution: „Wenn du mit den meisten Fahrern redest, wissen sie, dass das hier nichts mit Rennen zu tun hat.“ Dabei klang sein Ton nicht nach spontaner Frustration, sondern nach Monaten aufgestauter Wut. Schon in Australien hatte er angekündet, den Simulator gegen eine Nintendo Switch zu tauschen – ein Seitenhieb auf die zunehmende Kunstfertigkeit statt Fahrbarkeit der aktuellen Boliden.
Die Kritik trifft die Formel 1 mitten in ihre PR-Seele. Die Serie feiert sich als High-Tech-Spektakel, doch der amtierende Champion vergleicht das Erlebnis mit Mario Kart. Er spricht von Batterien, die bei Null Prozent starten, von Gefahren, die nicht mehr kalkulierbar sind, und von Langeweile auf der Überholspur. Die Ironie: Genau die Generation Autos, mit der Verstappen seine Dominanz begründete, wird nun zum Schreckgespenst seiner Karriere.

Endstufe nürburgring – und danach?
Verstappen kündigt an, dieses Jahr bei der 24-Stunden-Rennen-Nacht auf dem Nordschleifen-Monster anzutreten. „Oldschool, weniger Politik“, nennt er das. Die Leidenschaft für Langstreckenrennen erbt er von Vater Jos, doch diesmal klingt der Plan wie ein Eskapismus-Angebot an sich selbst. Mercedes und Ferrari haben ihre Cockpits bislang nicht frei gemacht. Sollte sich daran nichts ändern, könnte der 28-Jährige tatsächlich die Flucht nach der GT-Welt antreten – weg aus der Dschungel-Droge Formel 1, hinein in eine Szene, in der noch das Gaspedal den Ton angibt.
Red Bull ringt um Antworten. Teamchefin Monisha Kaltenborn verlor in den vergangenen Monaten wichtige Ingenieure, die sonst Verstappens Setup-Geheimnisse kannten. Der Vielfach-Weltmeister wiederum erinnert sich an das Versprechen an den verstorbenen Dietrich Mateschitz, in Wien-Milton-Keynes zu enden. Doch auf der Strecke sieht es so aus, als hätte er die Schnauze voll von Versprechen, die sich nicht mehr halten lassen.
Die Saison ist noch jung, die Krise längst Realität. Wenn Verstappen mit 40 Siegen und vier Titeln schon jetzt die Stimmung verlässt, spricht das Bände über den Zustand der Formel 1. Die Königsklasse muss sich fragen, ob sie ihren Regel-Kompass verloren hat – oder ob der König einfach nur abdankt.
