Verstappen rastet aus: „diese autos ruinieren unseren sport"

Max Verstappen spricht schon wieder mit geladenem Mund – und diesmal zielt seine Breitseite nicht auf einen Rivalen, sondern auf die gesamte Formel 1. Nach dem Debakel von Shanghai, wo ihn ein Kühlerdefekt zehn Runden vor Schluss aus dem Rennen warf, kocht der viermalige Weltmeister. Nur acht Punkte nach zwei Grand Prix, das ist für den 28-Jährigen ein persönlicher Horror-Start. Noch nie seit 2016 stand er so weit hinten.

„Die meisten Piloten sind dagegen, das wird sich rächen", donnerte er in die Mikros der internationalen Fernsehteams. Den neuen technischen Zyklus mit schweren, überregulierten Raketen auf Rädern nennt er ein „Spielverderber-Reglement". Was niemand außer ihm so offen ausspricht: Verstappen hasst sein Werkzeug. Er hasst die Hybrid-Monster, die sich unter Vollgas wie ein überzuckerter PC verhalten – erst ein Software-Update, dann vielleicht Leistung.

Der simulator steht still, die switch blinkt

Statt Kilometer auf dem Teamserver zu sammeln, greift der Niederländer lieber zur Nintendo Switch. Kollegen hatten seinen RB20 mit „Mario Kart" verglichen – er lacht nicht mehr, er bestätigt. „Es ist konfliktgeladen, weil mir das Fahren keinen Spaß macht", sagte er in Melbourne. Die Batterie war dort vor dem Start auf null Prozent runter, das Auto ruckelte wie ein alter Diesel. Gefährlich. Peinlich.

Red Bull selbst schaut auf nur zwölf Punkte aus den ersten beiden Rennen – exakt so viele wie das B-Team RB. Die einst dominierende Bullen-Horde wirkt entkernt. Technikchef Adrian Newey fehlt als geistiger Vater, die Boxengasse verlor vier Schlüsselmitarbeiter. Verstappen hatte Dietrich Mateschitz noch versprochen, treu bis zum Karriereende zu bleiben. Doch Treue wird in der Box schnell zum Luxusartikel, wenn die Zahlen nicht stimmen.

Endurance lockt – und mit ihr die freiheit

Endurance lockt – und mit ihr die freiheit

Zwischen den Zeilen sickert ein Plan B durch. Die 24 Stunden von Nürburgring stehen auf dem Kalender. „Oldschool, weniger Politik", schwärmt er. Ein Ausbruch aus der „Dschungel-Ära" der Formel 1. Sein Vater Jos mischte früher selbst am Nordschleifentarzan. Die GT-Welt bietet das, was die Königsklasse gerade versiegt: Spaß pur, dafür kein Millionen-Druck.

Mercedes und Ferrari haben ihre Cockpits bereits langfristig verzapft. Sollte Red Bull die Kurve nicht kriegen, bleibt Verstappen auf der Insel. Aber auf einer glücklichen. Die Karriere-Bilanz ist längst im Plus: vier Titel, 61 Siege. Er kann sich den Luxus leisten, Nein zu sagen. Die Frage ist nur, wie lollig die Formel 1 noch mitspielt, bevor sich die Boomerang-Kritik in vollen Umfang zurückschlägt.

Der nächste Grand Prix in Suzuka droht zur Generalprobe für Red Bulls Krisenkommunikation zu werden. Die Uhr tickt. Verstappen schon.